Nach eineinhalb Stunden Stop-and-go, eingekeilt zwischen hupenden Bussen, umspült von sich den Asphalt hinabstürzenden Wassermassen, ergreift Otto Rehhagel auf dem Beifahrersitz seines Dienstwagens das Wort und formuliert in aller Ruhe: So, jetzt haben wir etwa die Hälfte der Strecke hinter uns. Wir befinden uns auf dem Weg vom Flughafen, das Ziel ist die Innenstadt von Athen. Diese Strecke ist bei normalem Verkehr in circa einer halben Stunde zu bewältigen, aber was ist schon normal hier in Athen? Drei Stunden im Stau - für einen Liebhaber der Effizienz wie Rehhagel ist das eigentlich der Horror schlechthin. Das ist so in Griechenland, sagt der Perfektionist, und es klingt, als wolle er sagen: Das ist so hier bei uns in Griechenland. Hier bei uns. Kein Zweifel, der dreiundsechzigjährige Rehhagel, seit wenigen Monaten Trainer der griechischen Fußballnationalmannschaft, ist in Athen angekommen. Noch logiert er im Hotel, nahe seinem Büro in der Verbandszentrale. Bald wird er eine Wohnung beziehen. Seit dem umjubelten 2 : 2 in England weiß er, dass er bleiben wird, vielleicht sogar bis zur Europameisterschaft 2004, zu der sich das Team mit seiner Hilfe qualifizieren soll. Doch Rehhagel ist nicht allein als Trainer hier, vielleicht nicht einmal in erster Linie. Glaubt man den Menschen in seinem Athener Umfeld, gibt er den großen Integrator: So hat er seit Jahren verfeindete Vereinsfunktionäre versöhnt und Spieler, die geschworen hatten, nie wieder das Nationaltrikot zu tragen, zur Rückkehr bewogen. Wenn er davon erzählt, entsteht einer jener raren Momente, in denen der ansonsten durch seine Erfahrungen mit den Medien misstrauisch gewordene Coach kurzzeitig auftaut.

Doch, weiß Rehhagel, alles ist nichts, wenn der Ball nicht ins Tor will. Als die griechische Delegation nach dem 2 : 2 in England von den großen Erfindern des Fußballs, von Bobby Charlton und Co, empfangen und mit Komplimenten überschüttet wurde, da wusste ich, das werden die Herren lange nicht vergessen, sagt Rehhagel. Da kommt Ruhe auf.