Der Krieg ist schneller - zumindest überholt er so manch flinke Buchproduktion, die glaubte, bereits im Oktober endgültige Prognosen zu Strategien und langfristigen Vorgehensweisen der internationalen Antiterrorallianz als Antwort auf weltweit agierende Dschihad-Netzwerke abgeben zu können.

Autoren seriöser Publikationen - diese gehört dazu - versäumen es deshalb auch nicht hervorzuheben, wie viele Jahre der Recherche sie auf ihre jeweiligen Studien verwendet haben. Peter Bergen, langjähriger CNN-Korrespondent, arbeitete sechs Jahre an seinem Buch. Es ist eine faktenreiche Darstellung, deren Detailfreudigkeit nicht dadurch "gemildert" wird, dass der Autor gelegentlich subversive Treffs an düsteren Hotelbars oder die "große orientalische Gastfreundschaft" (bei Tee und Keksen) beschwört (wenigstens reitet er nicht permanent "an der Seite der Großen" durch Afghanistan wie weiland Scholl-Latour).

Die Niederlage der Taliban-Miliz ist keineswegs eine Garantie für den Zusammenbruch der weit gespannten Terrorallianz eines bin Laden - dies führt Bergen in seinem Buch überzeugend aus. Für ihn sind die Taliban Bauernsöhne, wenngleich fanatisiert und unduldsam, vielleicht sogar noch das schwächste Glied in einer ansonsten weit fester verschweißten Terrorkette. Auch dieser Autor betont - wie viele Experten des internationalen Terrorismus - stattdessen die herausragende Rolle der "arabischen Afghanen" in der Umgebung des saudischen Millionärs

für sie errichtete er in den achtziger Jahren auf afghanischem Boden Ausbildungslager, die seine Anhänger für den Kampf gegen das sowjetische Besatzungsregime vorbereiten, aber darüber hinaus auch dem internationalistischen Kampf der Islamisten gegen die "ungläubige Welt" dienen sollen: Die USA sind damit ebenso gemeint gewesen wie die Sowjetunion oder Staaten, die den "Islam verraten" hätten, da sie ihn nur halbherzig oder falsch praktizierten, wie etwa Ägypten oder Saudiarabien. Besonders zahlreich sind unter bin Ladens radikalsten und einsatzfreudigsten Freischärlern in der Tat Ägypter, Algerier, Saudis und Jemeniten.

Ägyptische Islamisten spielten auf bin Ladens Weg zum skrupellosen, Terror predigenden "Gotteskrieger", in dem seine Gefolgsleute mittlerweile eine Art Heiligen sehen, eine zentrale Rolle. Dies hängt mit der langen Tradition des radikalislamischen Widerstandes gegen sozialistisch oder nur gemäßigt säkular orientierte Regierungen in Ägypten zusammen, die die fundamentalistischen Gegner mit Terror und jeder Art Gewalt beiseite fegen wollten.

Bergen zeichnet einige Biografien dieser Weggefährten bin Ladens nach, häufig Gelehrte oder bestens ausgebildete Technokraten wie der Arzt az-Zawahiri oder der Prediger Abdullah Azzam. Aus ihren Aktivitäten wird überdeutlich, wie sehr sie ihrem großzügigen Finanzier "mit Rat und Tat" zur Seite standen und im Wortsinne die Paten des Terrornetzes Al-Qaida und anderer Gewaltkartelle wurden.

Bin Laden sei die Globalisierung des Terrors gelungen, für dessen ständig möglichen Einsatz seine "Firma Heiliger Krieg" etabliert und schlagkräftig gemacht wurde, heißt es. Und die ratlose westliche Welt fragt verunsichert nach Gegenstrategien: Liegt in der Beendigung des Palästina-Konfliktes die Lösung? Dies dürfte auch für Peter Bergen zumindest einen Schritt in die richtige Richtung darstellen. Andere Kenner bin Ladens sind da skeptischer.