Langsam nähern sich am Abend des 16. Februar 1804 zwei kleine Segelschiffe der Bucht von Tripolis. Kein Posten der Küstenwache ahnt, dass an Bord eines der beiden ein amerikanisches Spezialkommando verborgen ist.

Die rund 80 gut ausgebildeten Marinesoldaten und Matrosen haben sich freiwillig zu dem tollkühnen Einsatz mit äußerst geringer Aussicht auf Erfolg gemeldet. Bei Nacht und Nebel wollen sie unerkannt in den inneren Hafen der Stadt eindringen und unter den drohenden Küstenbatterien Pascha Jussef Karamanlis ein Schiff in Brand stecken: die Philadelphia.

Die Fregatte gilt als Schande der jungen amerikanischen Kriegsmarine, seit sie bei dem Versuch, zusammen mit anderen Schiffen Karamanli durch eine Seeblockade zu einem Friedensvertrag zu zwingen, am 31. Oktober 1803 vor Tripolis auf Grund gelaufen war. Karamanlis Korsaren hatten sie geentert, 308 Mann Besatzung gerieten in Gefangenschaft. Seither lag die Philadelphia im Hafen von Tripolis, der US-Navy zum Hohn - und zur ständigen Bedrohung. Denn jederzeit konnte Karamanli das mit 44 Kanonen ausgerüstete Schiff als Piratenfregatte gegen die Vereinigten Staaten einsetzen.

Der kühnste Coup dieser Zeit

Die Schmach weckte den Ehrgeiz und die Fantasie der Amerikaner. Wenn es schon aussichtslos war, das Schiff im Kampf zurückzugewinnen, so konnte man es doch wenigstens in der Hand des Feindes zerstören. Wochenlang trainierten Marinesoldaten und Seeleute unter dem Kommando von Leutnant Stephen Decatur vor Sizilien, wie man bei Dunkelheit lautlos ein großes Segelschiff entert, wo Brandsätze und Sprengladungen anzubringen sind und wie man sie zündet. Wie sie heil entkommen sollten, übten sie nicht - Glück brauchten sie ohnehin.

Siren, das Fluchtschiff, bleibt in der weiten Bucht vor Tripolis zurück.

Allein segelt die Intrepid, eine gekaperte tripolitanische Ketsch mit Lateinersegeln, unter dem Kommando eines ortskundigen maltesischen Lotsen weiter und erreicht durch den Kanal zwischen den felsigen Riffs bei anbrechender Dunkelheit den äußeren Hafen. Ein Wachboot kommt längsseits und verlangt Auskunft. Der Lotse antwortet ruhig, er sei von Malta gekommen, um junge Bullen zu holen. Unbehelligt lässt man das Schiff ziehen. Im Grau der Dämmerung zeichnen sich die Umrisse der Philadelphia ab, die im inneren Hafen ankert. Ihr Rigg ist stark beschädigt, aber der Rumpf heil geblieben. Eine Wachmannschaft sichert das Schiff bei offenen Stückpforten.