Ist das jetzt die bedingungslose Kapitulation des Kanzlers im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit? Gerhard Schröder drängt neuerdings die Arbeitgeber, ihre Leute nicht zu entlassen, schließlich würden sie wieder gebraucht, wenn die Konjunktur aufs Neue anspringt. Das klingt verdächtig nach Resignation.

Jedenfalls bei einem Politiker, der den Erfolg seiner Regierung an den Erfolg seiner Arbeitsmarktpolitik geknüpft hat - und dafür sogar ein konkretes Ziel benannte: maximal 3,5 Millionen Arbeitslose im Herbst 2002.

Vielleicht glaubte Schröder ja tatsächlich, dass er erreichen würde, woran sich bereits Helmut Kohl 16 Jahre lang vergeblich die Zähne ausbiss - die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu reduzieren. Zwei Jahre lang konnte sich der Kanzler über gute Statistiken freuen, jetzt sieht es wieder düster aus. Weit mehr als vier Millionen Deutsche werden im Winter auf der Straße stehen. Und prompt geht das politische Gerangel darum los, wer daran die Schuld trage.

Wie immer dominieren dabei Schlagworte die ideologiegeladene Debatte. Die arbeitsmarktpolitische Wirklichkeit wird eher vernebelt als erhellt.

Da ist zum Beispiel das Klischee vom viel zu starren Ordnungsrahmen des deutschen Arbeitsmarktes, seiner mangelnden Flexibilität, die das größte Beschäftigungshemmnis überhaupt sei. Kündigungsschutz, Flächentarif, das von der Schröder-Regierung verabschiedete Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge - die Liste der Todsünden, die Arbeitgeber und Opposition gebetsmühlenhaft beklagen, ist lang.

Doch so paradox es klingt: Gerade die Tatsache, dass die Arbeitslosenzahlen so schnell steigen, ist ein Beweis dafür, dass der deutsche Arbeitsmarkt inzwischen weit geschmeidiger ist als sein Ruf.

Denn als überaus wirksamen Puffer, um auf Auftrags- und Einnahmeschwankungen schnell und kostengünstig zu reagieren, nutzen Unternehmen inzwischen vermehrt die Möglichkeit, Mitarbeiter befristet einzustellen. Schon jeder fünfte Arbeitnehmer unter dreißig Jahren ist nur noch auf Zeit angeheuert.