Nichts wird mehr sein, wie es einmal war, jammern die Pessimisten, als wäre unsere Welt bisher wunderbar gewesen. Die Optimisten dagegen freuen sich, weil sie glauben, dass es nur besser werden könne. Es ist hier von den Kulinarikern die Rede

der politische Aspekt ist in diesem Zusammenhang nur zweitrangig. Meinen die Zyniker.

Als damals in der Renaissance die Malerei die Perspektive entdeckte, war das so revolutionär wie Luthers Thesen. Kriege waren die Folge, und eine neue Ästhetik hielt Einzug in die Studierstuben der Intelligenzija und die Ateliers der Künstler. Nichts davon war mehr so, wie es vorher war. Das kostete Opfer, in den Universitäten ebenso wie in den Künsten.

Doch in den Küchen blieb alles, wie es vorher war: Für eine gute Suppe brauchte man weiterhin eine Bouillon, Nudeln schmeckten besser, wenn man einen Klumpen Butter unter die heißen Teigwaren rührte. Und zu Weihnachten brieten die Leute eine Gans.

Das alles soll jetzt nicht mehr gelten? Unseren geliebten Gänsebraten wollen sie uns vermiesen, die Kuskus-Fundamentalisten? Krieg führen gegen unsere westliche Esskultur? Nichts da! Jetzt wird erst recht die Gans gebraten, sogar hier, an dieser Stelle, wo der traditionelle Fettvogel bisher auf dem Index stand. Jawohl - Weihnachten wird eine Gans gebraten!

Ich habe mir eine auf dem Markt gekauft, weil sie im Supermarkt keine hatten.

Marktfrische ist nicht nur eine Voraussetzung für Froschschenkel, die wir als Vorspeise essen wollen, auch die Gans muss gestern noch geschnattert haben.