In der ZEIT Nr. 14/01 vom 29. März schrieb Mia Eidlhuber über Das große Zellensterben: das allmähliche Verschwinden der Telefonzellen. Die Geschichte war so etwas wie ein vorweggenommener Nachruf

ganz tot waren die kleinen Häuschen damals noch nicht. Nur todgeweiht: Die Telekom hatte zu Beginn des Jahres mitgeteilt, dass in Zukunft immer mehr Zellen durch Säulen ersetzt werden. Diese unwirtliche Zukunft hat uns in diesen Wochen eingeholt - ein schlechter Zeitpunkt, die Menschen da draußen von der Überlegenheit der neuen Telestationen zu überzeugen. Es regnet, es bläst der Wind, es ist schweinekalt, schutzlos ist der Telefonierer den Elementen ausgeliefert. Im deutschen Feuilleton wird deswegen dieser Tage vielfach der Abgesang auf die Zelle angestimmt: Von einem Verlust an Lebensart und Gesprächsintimität ist da die Rede und von einem kaltem Abschied. Kalt ist es ohne die schützenden gelben Wände. Kalt lässt das auch den Sprecher der Telekom. Er versteht unsere plötzliche Liebe zu den einst angeblich verhassten Häuschen nicht. Für ihn wäre das Telefonzellensterben das größte Sommerlochthema aller Zeiten - nur dass wir jetzt schon fast Winter haben. Er muss ja auch nicht draußen im kalten Regen stehen. Dächer und Seitenteile werden nachgeliefert, verspricht er uns. Die Häuschen wird es natürlich auch weiterhin geben.

Hoffentlich nicht nur im Museum und in unserer Erinnerung.