Auf der Kunst-Biennale in Venedig gewann in diesem Jahr der deutsche Pavillon den ersten Preis: Der Künstler Gregor Schneider hatte der weihevollen Halle ein verschachteltes Gebilde implantiert, das Tote Haus Ur. Ein Totenhaus war der Pavillon bereits im Jahr zuvor bei der Architekturbiennale gewesen - viele Besucher fühlten sich dort damals wie in einem Mausoleum. Denn während die anderen Länder ringsum sich mit Geblinker und Geflicker der Zukunft digitaler Architektur weihten, herrschte bei den Deutschen Grabesstille. In nüchternem Schwarzweiß trauerte dort Berlin um seine Bauverluste durch Krieg und Nachkriegszerstörung, die Ausstellung wirkte wie ein Nachruf auf die Moderne des 20. Jahrhunderts. Zugegeben, es war eine Notlösung. Niemand hatte sich für die Biennale so recht zuständig gefühlt, niemand wollte für das Nationenrennen Geld ausgeben. Also packte man die Berlin-Ausstellung in den Pavillon, die war billig und schnell zu haben - und man schwor sich, beim nächsten Mal alles besser zu machen. Nun ist das nächste Mal da, doch wieder hat es die Deutschen kalt erwischt. Man hätte erst 2004 mit der Biennale gerechnet, erklären die Verantwortlichen

dass sich die Italiener tatsächlich an den zweijährigen Ausstellungstakt halten würden, damit sei doch nicht zu rechnen gewesen. Nicht einmal in der Unpünktlichkeit kann man sich auf sie verlassen. Nun ist kein Geld im Etat eingeplant, keine Ausstellungsidee in Sicht. Was also tun? Werden Venedigs Wände wieder Trauer tragen? Nicht wenn etwa die neue Bundeskulturstiftung im Pavillon ihre Chance für die erste gute und gut dotierte Tat sähe. Und auch nicht, wenn man den Blick ein wenig weiter schweifen ließe, wenn man sich etwa an den letzten Beitrag der Holländer erinnerte, ein viel diskutiertes Stück Architekturkunst, kuratiert von einer Deutschen, von Kristin Feireiss. Sie war damals die Chefin des NAI in Rotterdam, des weltgrößten Architekturzentrums - und ist heute freie Ausstellungsmacherin. Frei genug, um das Totenhaus endlich zu beleben.