Man kann ihn bewundern, ihn fürchten, ihn jagen, ihn vertreiben. Man kann ihn willkommen heißen oder erschießen. Nur verschweigen kann man ihn nicht.

Die Wälder von Westpolen sind wie gemacht für den Wolf. Unsagbar viel Grün.

Reichlich Wild, Wasser, verschwiegene Rückzugsgebiete. Über 400 Quadratkilometer zusammenhängendes Forstschutzgebiet erstrecken sich rund um Insko und Drawsko-Primoskie, eine Autostunde von der deutschpolnischen Grenze entfernt.

In dieser Nacht, es herrscht empfindliche Kühle, und es regnet, führen Magda und Maciek, Wildhüter aus dem nahen Dorf Dlusko, die Chefin der polnischen Wolfsforscher Sabina Nowak und ihre Begleiter durch das dichte Gestrüpp.

Ganz leise treten. Bloß kein Wort. Es reicht schon das Holz, das unvermittelt unter den Sohlen kracht. Irgendwie hören sich nach Mitternacht alle Geräusche im Wald doppelt so laut an. Das Klacken der Autotür. Das Auseinanderfalten der Geländekarte auf der Motorhaube des Jeeps. Jeder Schritt im Gelände wird zur Entscheidung darüber, ob die Howling Session gelingt.

Eine Howling Session ist ziemlich das, wonach es sich anhört. Menschen heulen im Wald. Nicht so sehr aus Spaß

es ist eine wissenschaftliche Methode, um festzustellen, ob es in der Umgebung tatsächlich Wölfe gibt.