Wilkanów

Schade, dass die Spender die kleine Feier im Wilkanówer Gymnasium nicht miterleben konnten. Sie hätten erfahren, wie viel Freude sie mit ihren Beiträgen für die ZEIT-Fluthilfe gestiftet haben. Fröhliche Kinder und engagierte Lehrer würdigten voller Elan den Abschluss der Hilfsaktion dieser Zeitung für das niederschlesische Dorf. Sie sagten Dank mit einem Lied und mit Gedichten über die Freundschaft - in deutscher Sprache, die im früheren Wölfelsdorf seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur noch selten zu hören gewesen war.

Die Stimmung der Schüler bezeugte auf anrührende Weise den Triumph der Lebensfreude über die Niedergeschlagenheit, die vor mehr als vier Jahren die Menschen beherrscht hatte. Damals, im Sommer 1997, schien Wilkanów am Ende zu sein. Die Jahrhundertflut, die Polen, Tschechien und Brandenburg heimsuchte, hatte auch in dem Dorf rund hundert Kilometer südlich von WrocIaw (früher Breslau) verheerende Spuren hinterlassen. Die plötzlich anschwellenden Wasser des Flusses Wilczka hatten alles mitgerissen, was sich ihnen in den Weg stellte. Felder und Straßen, Bauernhäuser und die Grundschule waren verwüstet. Staatliche Hilfe war nicht in Sicht, denn die Flut hatte Hunderte von Gemeinden überschwemmt.

Heute ist von den Schäden des Hochwassers kaum noch etwas zu sehen. Besser noch, das lange zurückgebliebene Dorf hat Anschluss an die Zukunft gefunden.

Zu dieser Entwicklung haben die Leserinnen und Leser dieser Zeitung maßgeblich beigetragen. Sie spendeten so großzügig, dass die ZEIT-Fluthilfe 3,7 Millionen Mark (inkl. Zinsen) nach Wilkanów und in andere Katastrophengebiete vergeben konnte.

Mit der organisatorischen Unterstützung des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg wurde das Geld zum Wiederaufbau besonders betroffener Regionen verwendet. Wiesenau in der Ziltendorfer Niederung erhielt Entwässerungsgeräte, und zwei Familien konnten dank der Fluthilfe ihre Häuser wiederherstellen. Im tschechischen Dorf Zátor half rund eine Million Mark dabei, die Schule wieder instand zu setzen und zwölf Wohnungen für Obdachlose zu bauen, denen das Wasser ihre Häuser geraubt hatte.

Der Großteil der Spenden aber ging nach Wilkanów, das am härtesten unter der Katastrophe gelitten hatte. Die Fluthilfe ermöglichte den Kauf von schwerem Baugerät, mit dem die gröbsten Schäden beseitigt wurden