Einer, der die Welt nur durch Windschutzscheiben sieht. Der sich an Autos und Bahnen berauscht. Einer, der längst vergessen hat, dass er nicht nur Verkehrs-, sondern auch Bauminister sein soll. Das ist Kurt Bodewig, wie ihn viele sehen. Oder sollte man sagen, wie ihn viele sahen? Kommende Woche schon, kurz vor Nikolaus, könnte sich das Bild wandeln. Auf einem Kongress in Köln wird Bodewig ein großes Paket auspacken, dessen Hülle zwar nicht knistert und glitzert

wenig verlockend klingt der Aufdruck "Statusbericht".

Der Inhalt des Päckchens aber verblüfft: Es ist ein Report über die Lage der Baukultur, der erste in der Geschichte der Bundesrepublik. Mehr noch: Es ist ein Aufruf und eine Selbstverpflichtung. Die Studie ist voll von guten, manchmal amüsanten Vorschlägen, und bereits im nächsten Jahr soll der Bundestag diese diskutieren. Das Parlament, so der Plan des Ministers, wird dann entscheiden, ob "gut gebaute Umgebung" zum neuen Staatsziel werden sollte.

Will sich da einer zum Bundesbaumeister aufspielen, zum Nationalstil-Erfinder? Keineswegs. Bodewig geht es vielmehr darum, ein neues Politikfeld zu eröffnen

was darauf entsteht, sollen andere entscheiden: Architekten, Bauunternehmer und natürlich die Bürger. Der Minister wünscht sich eine breite Bewegung, und dass er es mit diesem Willen zur Gemeinsamkeit ernst meint, hat er mit dem Statusbericht bereits belegt. Fast zwanzig Verbände und Vereine waren daran beteiligt, brachten ihre Interessen ein und tragen die Forderungen der Studie mit

selbst die Ingenieure sind nun in der Pflicht, und jeder Strommast, jede Fußgängerbrücke wird künftig mit zur Baukultur gehören.

Wenn jeder mitreden darf, ist die Gefahr natürlich groß, dass man sich am Ende nur auf ein paar geblähte Floskeln einigen kann