Für den Neubau des New Yorker Guggenheim-Museums am East River sind weit weniger subtile Zerstreuungen geplant: Vor, nach oder auch statt der Ausstellung wird man Restaurants, ein Multiplexkino und eine Eislaufbahn besuchen können - gehörige Attraktionen für ein steuerbegünstigtes non-profit-Unternehmen.

Bei solch groß angelegten Selbstinszenierungen liegt die Idee nahe, die Expansion weiter bis in die Internetpräsentation zu tragen - ob nun aus Gründen der Kommerzialisierung oder zur Schaffung eines Gesamtkunstwerks. Das wird man sich auch im Hause Guggenheim gedacht haben, denn nach der Eroberung der halben Welt, mit Zweigstellen in Bilbao, Berlin, Las Vegas und anderswo, haben die Webdesigner des Mutterhauses in New York (www.guggenheim.org) einen verblüffend funktionalen Weg gefunden, ihre Exponate im Netz darzustellen. Schnell geladene Popups in hoher Auflösung verleihen der Page eigenständigen Charakter und autarken künstlerischen Anspruch. Ähnlich hübsch ist die neue, explizit als kommerziell ausgewiesene Guggenheim-Seite (www.guggenheim.com), die als Kunstportal die Aktivitäten verschiedener internationaler Partnerinstitutionen bündeln möchte, unter ihnen die St. Petersburger Eremitage und das Kunsthistorische Museum in Wien. In exklusiven Online-Präsentationen werden Künstlerbiografien mit Musik unterlegt; die Bilder wirken selbst auf kleinen Monitoren recht ansehnlich. Einige der angeteaserten Bereiche dieses von Zeitverzug geplagten Großprojektes sind allerdings noch mit einem hoffnungsfrohen "coming soon"-Button versehen.

Das Webprojekt der Tate-Gallery (www.tate.org.uk) gehört trotz prachtvoller Bauten nicht zu den ambitioniertesten Kunst-im-Netz-Versuchen. Die Site überzeugt weniger durch künstlerisches Eigenleben, als vielmehr durch Übersichtlichkeit und Ausführlichkeit. Nach einem kurzen Flash-Intro ist jeder der Tate-Filialen zur Identitätsklärung ein eigener Farbbereich zugeordnet: die Tate Modern ist in stechendem Rosa gehalten, wie es sich vermeintlich für die Präsentation neuerer Kunst gehört. Ausgestellt werden allerdings nur Exponate, die auch zeitgleich "offline" zu sehen sind.

Quasi als Gegenbeispiel zuletzt ein Projekt mit ganz anderer Gewichtung. Die sehens- und hörenswerte Seite der Freiburger Galerie Malakoff (www.galerie-malakoff.de) macht aus den Programmierfähigkeiten ihrer Schöpfer keinen Hehl. Was in der körperlichen Welt von internationalem Ruf noch weit entfernt ist, überzeugt im Netz mit überbordenden Flash-Animationen, die freilich zur virtuellen Existenz verurteilt sind. Der Bezug zu den Galerieräumlichkeiten bleibt unklar. Ob man dieses Beispiel nun als Einzelfall oder als wegweisend einschätzen mag, so lässt sich doch schon anhand eines kurzen Netz-Streifzugs schemenhaft der Weg zu Museen anderer Art feststellen, bei denen der Internetauftritt mehr als ein Appetithappen auf die reale Schau ist...

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