Bildungsstudien wie Pisa oder Timss (siehe obenstehenden Artikel ) sind noch ungewohnt in der Welt der Pädagogik. Früher waren solche Untersuchungen zumindest in Deutschland verpönt. Die Qualität von Schulen und Schulsystemen sei nicht messbar und vergleichbar, war die vorherrschende Meinung unter Lehrern und Bildungspolitikern. Und so wurden internationale Vergleichsstudien in Deutschland kaum beachtet.

Die Wende brachte 1997 die Tims-Studie (Third International Mathematics and Science Study), die Deutschlands Schülern nur mittelmäßige Kenntnisse in Mathematik und den Naturwissenschaften attestierte. "Timss hat uns kalt erwischt", stellt etwa der Bielefelder Erziehungswissenschaftler Klaus-Jürgen Tillmann fest. Zu lange habe man um die Überprüfung von Fachkenntnissen der Schüler einen großen Bogen gemacht.

Doch seit Timss wird wieder über Leistung gesprochen - von Schülern, von Schulen, vom Bildungssystem. Und empirische Bildungsstudien wurden hoffähig.

Neben Pisa läuft derzeit eine weitere internationale Untersuchung mit deutscher Beteiligung. Sie testet die Lesekompetenz von Grundschülern (deutscher Name: Iglu - Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung).

Ergebnisse gibt es im Jahr 2003. Aber auch innerhalb Deutschlands wird seit einiger Zeit fleißig getestet. Die ambitionierteste Studie zur Schulqualität ist die Lernausgangslagenuntersuchung (Lau) in Hamburg. Derselbe Schülerjahrgang (komplett, keine Stichprobe!) muss seit 1996 im Zweijahresrhythmus zeigen, was er kann: in Mathematik, den Naturwissenschaften, in Deutsch, in den Fremdsprachen sowie jenseits der Schulfächer. Ergänzt werden die Leistungstests durch umfassende Erhebungen zum Unterricht und zum sozialen und kulturellen Umfeld der Schüler.

Die Studie zeigt unter anderem die Grenzen der Schule : So entscheidet vor allem das Bildungsniveau der Eltern über die Leistungen der Grundschüler. Sie führt aber auch den Nachweis, dass Schulen mit gleicher Ausgangslage ihre Schüler zu unterschiedlichen Leistungen führen. Es gibt also tatsächlich gute und schlechte Schulen. Welche das allerdings sind, wird nicht verraten - die Daten werden nur anonym veröffentlicht.

Weitere regional begrenzte Schulstudien gibt es zu den Mathematikkenntnissen von Schülern: die Qualitätsuntersuchung zum Unterricht in Mathematik (Quasum) in Brandenburg und die Mathematik-Gesamterhebung Rheinland-Pfalz: Kompetenzen, Unterricht, Schulkontext (Markus).