Als René Griemens zum ersten Mal die dooyoo-Zentrale betrat, ein Ikea-möbliertes Fabrikloft in Berlin-Friedrichshain, in dem junge Menschen mit bunten Haaren und in weiten Baggy-Pants arbeiteten, machte er einen großen Fehler. "Die Lufthansa hat meine Koffer verschlampt. Sorgst du bitte dafür, dass sie hierher gebracht werden?", fragte der Mann im grauen Anzug den Content-Manager Christian Schulze. "Da dachte ich mir, der passt hier nicht rein", sagt Schulze heute.

Dooyoo wurde im Oktober 1999 gegründet, ein Internet-Portal, das Verbrauchermeinungen zu mehr als 600 000 Produkten, vom Babybrei bis zum High-Tech-Fernseher, sammelt, sortiert, verwaltet und veröffentlicht.

Die Sache mit den Koffern hätte unter normalen Umständen wohl niemanden aufgeregt, aber Griemens kam im Mai vergangenen Jahres nicht als kleines Licht zu dooyoo. Der Mann kam in der Krise und sollte CFO werden. Chief Financial Officer. Ihm eilte voraus: ein Ruf wie Donnerhall. Ein professioneller Manager sei er, gerade erst von McKinsey ausgespuckt, dazu noch ein Banker. In London sei er davor gewesen, bei der Citibank, hatte Großunternehmen beraten.

Das war im Mai des Jahres 2000, als bereits viele Millionen Mark Venture-Capital verbrannt worden waren. Alle waren nervös, wie das Start-up-Kollektiv den Mann aushalten würde. Griemens sollte den bis dato nicht existenten Finanzbereich und das Controlling aufbauen

ein Sparkonzept entwickeln und der chaotischen dooyoo-Familie Strukturen geben. Der Satz, mit dem er sich seinen neuen Kollegen vorstellte? "Ich bin hier, weil ich überredet wurde." Ungeschickt war das. "Sehr ungeschickt. Wie der Elefant im Porzellanladen", sagt er heute, verschränkt die Arme und gräbt die Finger in den Bizeps.

Die dooyoo-Gründer kennt René Griemens seit seiner Kindheit, hatte mit ihnen den Business-Plan erstellt, war dann aber abgesprungen, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen: bei McKinsey in Lissabon arbeiten. Ein Jahr später hatten seine alten Freunde ihn überzeugt: Wir brauchen dich und deine Erfahrung, du musst uns helfen. Auch dabei, die zweite Tranche Risikokapital zu bekommen. 40 Millionen Mark sollten das sein.

René Griemens schlug ein, obwohl seine Rolle klar war: Spaßverderber. Nachdem andere Startups bereits Mitarbeiter entlassen hatten und Pessimisten die ersten Pleiten voraussagten, wusste jeder: Der Finanzmensch hat den sichersten Job in der New Economy. Denn im Zweifel ist er der Letzte, der geht, wenn er den kaputten Laden abgewickelt hat.