Originelle Geschenke sind die schlimmsten. Die eignen sich noch nicht einmal zum Weiterverschenken, weil sie meistens irgendeinen bemühten Bezug zu einem selber haben und weil die Abwesenheit von jeglichem Nutzwert geradezu Ehrensache für den Schenker ist. Unter Waldorfschülern zum Beispiel galt es bis tief in die Twen-Jahre hinein als schick, eine Ananas oder Kokosnuss mit Schleife zur Wohnungseinweihung mitzubringen.

Diese selbstgefällige Ich schenke eben anders-Attitüde ist leider nicht nur bei Exwaldorfschülern sehr verbreitet. Das Geschenk soll nicht mehr primär eine Freude machen, sondern zeigen, dass der Geber ein nachdenklicher Mensch voller Gedankentiefe ist. Meine beste Freundin ist da leider keine Ausnahme.

Sie verehrte mir letztes Weihnachten ein Glasfläschchen mit selbst gesammeltem Sand vom Strand des Toten Meeres.

Diese Gabe wurde nur noch von meiner Cousine getoppt, die jedem Familienmitglied mit großer Geste eine Locke ihres zweijährigen Sohnes überreichte. Schuld sind wie immer die Medien. Dieses Jahr begnügen sich die zahlreichen Geschenkesupplements nämlich nicht mehr damit, nur sinnlose Geschenke anzubieten, dieses Jahr muss es sinnlos und hintergründig sein.

Das Christmas-Extra der Deko-Illustrierten modern living zum Beispiel verspricht 99 prozentige Kitschfreiheit und hält Wort mit einer witzigen Kehrschaufel, auf der Junk de Luxe gedruckt ist. Total ironisch auch ein Liebespärchen aus Plastik. Der Gag: Stellt man die beiden nah genug aneinander, ziehen sie sich per Magnet zum Dauerkuss an.

Auch die Frauenzeitschrift Freundin gibt sich trendbewusst antimateriell und propagiert selbst gekochte Geschenke. Weihnachtsgrüße aus der Küche.

Zum Beispiel einen griechischen Safranlikör auf Ouzo-Basis.