Nach dem Ende ihrer letzten Karriere als Sängerin war Marlene Dietrich der Welt abhanden gekommen. Niemand durfte sie sehen. Sie lag in ihrem Pariser Bett, zog die Gardinen zu, kommentierte die Welt in Briefen. Am Ende ließ Marlene Dietrich, die am 27. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, nur wenige Menschen an sich heran. Einer von ihnen war Markus Auer, Chefkoch des legendären Maison d'Allemagne, des Aushängeschilds für deutsche Spitzengastronomie in Paris. Er versorgte sie mit ihren Lieblingsspeisen, ertrug ihre Launen, ihre Beschimpfungen. Und lernte Seiten kennen, die nicht in das klischeehafte Bild der launisch-dominanten Diva passen.

Herr Auer, warum ausgerechnet Sie?

Ich bin bis heute nie dahinter gekommen. Frau Dietrich hätte auch sagen können: Das ist der Auer, der mir jeden Tag mein Essen bringt - und fertig.

Ich möchte mich nicht als ihr Freund bezeichnen, aber ich glaube, so hat sie mich angenommen und auch behandelt. Das hätte ich mir nach unserem ersten Kontakt nicht träumen lassen.

Wie verlief der?

Im September 1989 rief Marlene Dietrich zum ersten Mal bei mir im Restaurant an. Ich dachte zuerst, einer meiner früheren Arbeitskollegen will mich hochnehmen, und legte sofort wieder auf.

An einem Ort, an dem Prominenz ein und aus geht - nicht gerade karrierefördernd ...