Besonders aus Stockholm schauen sie mit verquälter Miene zum Nachbarn.

Man ist verwundert, erschrocken, nur wenige sind - nach dem Muster: Ach ja, die Dänen - vielleicht auch amüsiert. In diesem Ausmaß haben Schwedens Sozialdemokraten den Absturz der dänischen Arbeiterpartei nicht erwartet, erst recht nicht den dazu passenden Aufstieg der Rechtspopulisten. Erst Norwegen, am 10. September. Nun Dänemark, am 20. November. Was ist los im "progressiven" Norden?

Die Niederlagen der beiden Arbeiterparteien haben, wie es so schön heißt, historisches Ausmaß (Norwegen: 24,4 Prozent, bei einem Minus von 10,6

Dänemark: 29,1, minus 6,8). Da nützt es den Parteifreunden in Stockholm wenig, wenn sie sich mit der ironischen Tatsache trösten, dass sie ihren eigenen Tiefststand fürs Erste hinter sich haben dürften: Vor drei Jahren waren sie auf 36,5 Prozent (minus 8,8) abgestürzt, das schlechteste Resultat seit fast 80 Jahren. Schlimmer kann es kaum kommen.

Oder doch? Der eigentliche Albtraum der skandinavischen Sozialdemokraten, einschließlich der Partei in Finnland, die im Nokia-Land mit einer Regenbogen-Koalition regiert (nächste Wahl 2003), übersteigt die Dimension normaler Wahlschlappen: Er handelt von einem real existierenden Sozialdemokratismus mit all seinen wohlfahrtsstaatlichen Merkmalen, aber ohne Sozialdemokraten. Es ist der Albtraum vom nordischen Wohlfahrts- und Sicherheitsstaat, den alle Parteien akzeptieren, verteidigen und allenfalls verbessern wollen und für den man deshalb die alte Sozialdemokratische Partei nicht mehr braucht.

Bezeichnenderweise stellten weder in Dänemark noch in Norwegen die liberal-konservativen Wahlsieger den "skandinavischen Sozialstaat" - im neoliberalen Weltbild das Symbol des Kollektivismus schlechthin - infrage.

Verbessern wollten sie ihn, ja. Aber das System ändern? Nie und nimmer! Das fordern nicht einmal die Rechtspopulisten, weder die schrille Pia Kjaersgaard (Dänische Volkspartei), noch der schräge Norweger Carl Hagen (Fortschrittspartei). Deren Feindbild heißt nicht Vollversorgung, sondern Überfremdung.