Da ist zum einen Larry Silverstein, der Mieter der zusammengestürzten Twin Towers. Er hat schon sehr genaue Vorstellungen von der Zukunft, will vier Bürotürme mit 40 bis 55 Stockwerken bauen, weil das sehr viel praktischer und billiger ist als die doppelt so hohen Originale. Auf der anderen Seite formiert sich im Augenblick das staatliche Wiederaufbauamt "Lower Manhattan Redevelopment Corp". Seine Erfinder stellen sich eher einen städtebaulichen Mix aus Büro- und Wohnbebauung vor und wollen auch die Bahn- und Fährverbindungen in Downtown drastisch verbessern. Dafür haben sie aber bisher kein (staatliches) Geld, weil das Weiße Haus Schritt für Schritt von seinem Versprechen abgerückt ist, "mindestens" 20 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau New Yorks zu stiften. Der designierte New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg neigt übrigens selber eher der Büroturm-Lösung zu ...

Doch so oder so, ob Büroturm oder städtebauliche Musterlösung: Im Augenblick ist nicht ganz klar, wer diese neuen Wohnungen oder neuen Büros überhaupt beziehen sollte. Und ohne solche Klarheit wird kaum ein Unternehmer den Städtebau in eigene Hände nehmen. Im angrenzenden Wohngebiet "Battery Park" bekommen willige Mieter im Augenblick luxuriöse Wohnungen zur Hälfte des Ursprungspreises nachgeworfen, kaum jemand will dort noch wohnen. Bürofläche ist auch nicht knapp. Die Zahl der leer stehenden Büros in Downtown Manhattan ist der Immobilienfirma Grubb & Ellis zufolge im dritten Quartal weiter gestiegen - obwohl mit dem Zusammenbruch des World Trade Centers eigentlich zehn Prozent der Bürofläche verschwunden sind und viele Beobachter schon mit einer großen Knappheit rechneten. Doch die Firmen haben sich anders beholfen. 25,500 Arbeitsplätze sind schon von der Wall Street an Orte wie das benachbarte New Jersey gewechselt, schätzt das Fiscal Policy Institute. Dort gibt es billigere und geräumigere Büros, niedrigere Steuern und meist auch noch spektakuläre Blicke quer über den Hudson River. "Im Moment ist es schwer, neue Kräfte überhaupt nach New York zu locken", erzählt eine Headhunterin, die im Auftrag zweier Banken im Augenblick nach Spitzenpersonal sucht.

Mehr als dreimal so viele Jobs sind durch den Doppelschlag aus Rezession und Terror vorläufig ganz weggefallen. Das sind nicht nur die Jobs der Bankiers, Manager und Trader rings um die Wall Street. In größerer Zahl sind es relativ schlecht bezahlte Stellen vom Büroboten über den Pizzalieferanten bis zum Nudelkocher in Chinatown.

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