Wer nicht dazugehört, sucht. Er gerät in so Situationen, wo er den Schlüssel der Mietwagenfirma in der Hand hält. Er liest darauf »Ford Focus Turnier«, irrt auf dem Parkplatz neben dem Hamburger Hauptbahnhof umher, auf der verzweifelten Suche nach dem Auto, das er für das Wochenende gebucht hat. 156,55 Euro, inklusive Mehrwertsteuer. Wieder liest er. Noch immer steht »Ford Focus Turnier« auf dem Zündschlüssel. »Grau« sagt ihm etwas. Er sucht nach Farbe den Parkplatz ab und vergleicht die Nummern auf den amtlichen Kennzeichen mit der auf dem Zündschlüssel: DN-SD 8444. Irgendwo entdeckt er ein Kleinstschild, das auf spezielle Sixt-Parkplätze hinweisen möchte. Aber auch da steht alles Mögliche an Gefährten. Keiner heißt Focus, keiner Turnier.

Weiß der Mietvertrag mehr? »Fahrzeug steht auf BGS«. Taxifahrer auf dem Parkplatz des Bundesgrenzschutzes bestätigen, dass ich 200 Autos dort abgesucht habe, wo man mich hingeschickt hat. Nach einer halben Stunde gebe ich auf. Marschiere zurück. Man wird mich am Sixt-Schalter für den Vollidioten des Tages halten. Und das nur Stunden nachdem ein deutscher Führerschein endlich meinen im Prinzip vor drei Jahren abgelaufenen schweizerischen ersetzt hat. Aber das gehört vielleicht nicht hierher.

Ich bin nicht der Idiot. Dem Sixt-Mann fällt ein, dass ein Kollege das Auto kilometerweit weg bei den Deichtorhallen abgestellt habe, um es bald drei Monate für sich haben zu können. Das Auto sei deshalb tatsächlich nicht da. Ich bin beruhigt. Mein Ruf ist gerettet. Eine Panne, keine Entschuldigung, stattdessen ein sanfter Vorwurf: »Würden Sie nicht unbedingt den Focus wollen, könnte ich Ihnen einen anderen geben.« Er opfert sich, bringt mich hin. Längst ist Nacht. Aber die Redseligkeit des Sixt-Manns rettet den Abend.

Bei welch anderer Gelegenheit hätte ich erfahren, wie sich Autovermieter verhalten, wenn andere sich auf ihre Parkplätze stellen. »Manchmal parken wir sie zu.« Das sei eigentlich »Nötigung«, aber »wir machen das«. Die müssten dann das Büro von Sixt suchen und beichten. »Wir fragen dann: So, Sie haben auf unseren Parkplätzen geparkt?« Das sei so ihre Rache. Und schon sind wir da. Ich sag danke. Es ist zappendustere Nacht. Noch immer weiß ich nicht, wie ein Focus Turnier aussieht. Aber etwas steht da. Sehr erfreut, DN-SD 8444.

Am Samstag muss der Focus Stadtauto spielen. Er sehe schön spacig, futuristisch aus. Es wäre rufschädigend, zu verraten, wer das behauptet hat. An Godards Ventilatoren in Alphaville ist mehr Zukunft als in dieser auf graue Flitzmaus gestylten Nase. Das Auto kostet über 30 000 Mark. Die vielen Plastikteile vermitteln dagegen, in der Zastava-Klasse gelandet zu sein.

Kann einen die Vernunft zwingen, ein Auto zu lieben?

Die Gründe für den Eisenmangel leuchten ein: Gewichtseinsparung, Benzinverbrauch. Aber die Vernunft kann einen ja nicht zwingen, ein Auto zu lieben. So schlägt in diesem Moment die Novemberdepression durch, als ich zu ergründen versuche, warum das »Leben« mir nicht erlaubt hat, den Monteverdi High Speed 375 L zu testen, Baujahr 1967.