Remme: In Berlin wird seit gestern erneut über die Bildung einer Koalition verhandelt. Die angestrebte Ampel von SPD, FDP und Grünen kam nicht zustande. Es folgt Plan B: das Bündnis von SPD und PDS. Seit gestern - wie gesagt - sitzt man am Tisch und mit dabei natürlich PDS-Spitzenkandidat, Gregor Gysi. Er ist jetzt am Telefon. Guten Morgen, Herr Gysi.

Gysi: Guten Morgen.

Remme: Herr Gysi, ist diese angestrebte Koalition nach der gestrigen ersten Verhandlungsrunde wahrscheinlicher geworden?

Gysi: Auf jeden Fall nicht unwahrscheinlicher. Die Atmosphäre war sehr sachlich. Wir haben viele Übereinstimmungen bei den ersten Fragen der Konsolidierung festgestellt, natürlich auch Dissenspunkte, das kann ja nicht ausbleiben, schließlich hatten wir unterschiedliche Vorstellungen im Wahlkampf. Und nun haben wir Arbeitsgruppen gebildet, damit gleich bei den Dissenspunkten gesucht werden kann, wo eine Art Verständigung ist. Wir werden nicht den Fehler der vorhergehenden Verhandlungspartner begehen und alle Dissenspunkte nach hinten verschieben, dann knallt es nämlich irgendwann, sondern man muss sehen, kriegt man es gelöst oder nicht.

Remme: War die Runde so allgemein, wie Sie es jetzt beschrieben haben?

Gysi: Nein, sie war natürlich sehr viel konkreter. Es haben immer die jeweiligen Sachpolitiker zu den jeweiligen Themen gesprochen. Dann haben wir die Differenzen festgestellt, und, wenn Sie so wollen, immer Aufträge an die Arbeitsgruppen gegeben. Jetzt einen Vorschlag zu unterbreiten, die Leitungen der Delegationen tagen ja heute extra und da werden wir uns an große Dinge heranwagen.

Remme: Herr Gysi, vor Verhandlungsbeginn demonstrierten gestern Hunderte von Eltern, Lehrer und Erzieher gegen mögliche Kürzungen im Kinder-, Jugend- und Bildungsbereich. Gleichzeitig machen die Ergebnisse der Pisa-Studie Schlagzeilen: schlechte Noten für die ganze Republik. Können Sie die Demonstranten beruhigen?