Lange: Die Spitzenpolitiker der Unionsparteien brauchen zur Zeit gute Nerven und sollten vielleicht von der Sonntagspresse die Finger lassen, wenn sie sich ihre gute Laune erhalten wollen. Denn wenn sie sich in der K-Frage wieder auf Zeitplan und Geschlossenheit verpflichtet haben, dann kann man fast am Kalender ankreuzen, wann die Debatte wieder ausbricht, als wäre eine Strategie dahinter. Jüngste Variante: mehrere Landeschefs sollen angeblich am Rande des Parteitags in Dresden überlegt haben, Angela Merkel eine Kanzlerkandidatur auszureden und ihr den Fraktionsvorsitz anzutragen. Da wäre sie also wieder, die Debatte um die K-Frage, über die diesmal besonders viele in der CDU besonders sauer sind. Am Telefon ist jetzt Jürgen Rüttgers, der Landeschef von Nordrhein-Westfalen und zugleich einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU. Guten Morgen, Herr Rüttgers.

Rüttgers: Guten Morgen, Herr Lange.

Lange: Herr Rüttgers, wie groß ist denn Ihr Zorn und gegen wen richtet er sich?

Rüttgers: Ich gehöre zu denen, die richtig sauer sind, weil wir auf dem Bundesparteitag einen Beschluss gefasst haben. Wir haben gesagt, wir wollen das Verfahren so haben: erst die Programmfragen, dann erst die Personalfragen. Dem hat der Parteitag einstimmig zugestimmt. Insofern habe ich überhaupt kein Verständnis dafür, dass - falls das stimmt, was in den Zeitungen steht - das so gewesen ist, denn man kann nicht auf der einen Seite auf dem Parteitag einem Verfahren zustimmen und dann gleichzeitig oder wenige Tage später das Gegenteil tun.

Lange: Also, dass drei Zeitungen sich gleichzeitig etwas Ähnliches ausdenken, ist doch sicherlich eher unwahrscheinlich.

Rüttgers: Ich will das auch nicht bestreiten. Das scheint solide von den Informationen her zu sein. Nur, wenn Sie die verschiedenen Zeitungsartikel lesen - und Sie haben schon Recht, das war gestern gar kein Vergnügen -, dann gibt es natürlich einen Teil Spekulationen, wer nun beteiligt gewesen sein sollte und wer nicht. Darauf bezog sich meine Bemerkung.

Lange: Wie erklären Sie sich dann, dass die Solidarität und die vielbeschworene Geschlossenheit wieder nur einige Tage gehalten hat?