Auf einen Tag wie den 11. September hatte Patrick Minnis gewartet. Den Nasa-Forscher entsetzten die Terrorschläge zwar ebenso wie seine Landsleute. Doch das Flugverbot nach den Anschlägen bot ihm eine unerwartete Chance. "Es ist sehr traurig, dass es so geschehen musste. Aber die Katastrophe führte dazu, dass wir wertvolle Daten erhielten."

Minnis erforscht die Kondensstreifen von Flugzeugen. Was nach einem reichlich abgehobenen Fachgebiet klingt, ist durchaus interessant; denn die zarten Wolkenstreifen verstärken den Treibhauseffekt. Noch ist nicht endgültig geklärt, wie groß ihr Beitrag zur Erderwärmung tatsächlich ist. Doch manche Atmosphären-Physiker befürchten, dass Flugzeuge durch ihre weißen Wolkenschleppen fast genauso viel zur Erderwärmung beitragen wie durch ihren Schadstoff-Ausstoß.

Um das genauer zu klären, muss man wissen, wie sich Kondensstreifen in der Luft ausbreiten. Normalerweise macht es der dichte Luftverkehr den Himmelsforschern unmöglich, einzelne Wolkenstreifen zu verfolgen - außer in der Zeit nach dem 11. September. Denn da blieb der Himmel über Nordamerika zwei Tage lang fast ungestört. Nur vereinzelte Abfangjäger malten einige Kondensstreifenstriche in die Satellitenbilder: Am Morgen des 12. September waren genau neun Flugzeuge über den Oststaaten unterwegs. An normalen Tagen ist der Verkehr dort so dicht, dass im Tagesverlauf 700 bis 800 Flugzeuge jeden Ort an der Ostküste passieren.

Nebelspur von George Bush

Auf diesen raren Satellitenbildern kann Minnis nun einzelne Flugzeugspuren genau verfolgen: Die Aufnahmen zeigen, wie sich Kondensstreifen bilden, nach und nach vom Wind zerrupft und über den Himmel getrieben werden, bis sie sich schließlich in fasrige, nahezu durchsichtige Wolken zerstreuen - in jene scheinbar harmlosen Wölkchen, die aber von Klimaforschern gefürchtet werden.

Kondensstreifen entstehen in der oberen Troposphäre, in über acht Kilometer Höhe. Sie enthalten kaum mehr Abgase. Reiner Wasserdampf kondensiert an den Partikeln im Triebwerksstrahl zu kleinen Tröpfchen. Diese gefrieren in der kalten Luft und werden so zur sichtbaren Wolke; eine dünne Linie markiert den Pfad des Flugzeugs.

Das ist unbedenklich, wenn die Luft wärmer ist als minus 40 Grad oder die Feuchtigkeit dort oben so gering ist, dass die Wolkenstreifen sofort verdampfen. Dann zieht das Flugzeug nur eine kurze weiße Schleppe hinter sich her, die ein paar hundert Meter weiter hinten verschwindet. In kalter und feuchter Luft werden die Kondensstreifen dagegen zum Problem. Sie lösen sich nicht auf, sondern nehmen immer mehr Wasserdampf aus der Umgebung auf und wachsen - bis sie keine Streifen mehr sind, sondern dünne Eiswolken: Zirruswolken, wie der Wetterdienst die hohen dünnen Eisgebilde nennt.