Donnerstag fliegen wir nach Stockholm und treffen dort um fünf die anderen Preisträger bei einem Empfang im Grand Hotel. Da sehe ich auch die beiden Kollegen wieder, mit denen ich mir den Physiknobelpreis teile. Wir sind Freunde, obwohl wir auch konkurrieren. Abends ist noch nichts geplant. Eine gute Gelegenheit, dem offiziellen Nobelpreisvortrag den letzten Schliff zu geben.

Am Freitag essen wir an der Universität Stockholm zu Mittag. Danach gehe ich zu einer Informationsveranstaltung, in der wir die Details des Wochenprogramms erfahren, und dann zu einer Pressekonferenz in der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Von dort aus spaziere ich zusammen mit meiner Familie zu einem festlichen Abendessen.

Der Samstag beginnt mit dem Nobelvortrag in der Aula Magna der Universität Stockholm. Ich werde dafür ausgezeichnet, dass ich Atome mit laserartigen Eigenschaften hergestellt habe. Laser ist intensives, gebündeltes Licht, das auf der gleichen Wellenlänge schwingt. Diese Eigenschaft habe ich auf die Bausteine von Materie, die Atome, übertragen. Diese unterscheiden sich dann von anderen Atomen wie Laserlicht von dem Licht einer Glühbirne. Über Möglichkeiten der Anwendung kann man zurzeit nur spekulieren. Sie liegen zum Beispiel im Bereich der Nanotechnologie oder der Präzisionsmessung. Am Nachmittag habe ich frei und treffe in Ruhe die Kollegen und Familienmitglieder, die ich nach Stockholm eingeladen habe. Am besten in einem Café. Abends gehen wir zu einem Konzert des Königlichen Philharmonischen Orchesters.

Am Sonntag machen meine Gäste und ich eine Tour durch Stockholm. Wir besichtigen auch die Jubiläumsausstellung, in der die Geschichte des Nobelpreises dargestellt wird. Zum Mittagessen sind wir in der deutschen Botschaft eingeladen. Danach veranstalten das Schwedische Fernsehen und die BBC eine Diskussionsrunde mit den diesjährigen Preisträgern. Im Anschluss daran gehen wir zu einem Empfang der Nobelstiftung.

Der Montag beginnt mit einer Probe der Preisverleihung. Wie die eigentliche Zeremonie dann im Detail abläuft, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass alles sehr formal und festlich sein wird und der schwedische König die Preise überreicht. Wissenschaft wird da in einer Art und Weise gefeiert, die unter die Haut geht. Ein bisschen Aufregung gehört dazu. Nach der Preisverleihung gehen wir zum großen Bankett im Rathaus. Man sagt, es ist die beste Party des Lebens. Die Garderobe für Preisverleihung und Bankett ist vorgeschrieben: eine weiße Fliege und ein traditioneller schwarzer Frack mit langen Schößen. Wie alle Preisträger leihe ich mir den Anzug direkt in Stockholm aus.

Am Dienstagmorgen bin ich zu Besuch an der deutschen Schule. Danach gehen alle Preisträger, auch die der letzten Jahre, zu Fernsehaufnahmen ins schwedische Parlamentsgebäude. Nachmittags werden die diesjähren Preisträger im e-Museum interviewt. Das ist die Homepage des Nobelinstituts, das Gespräch wird also im Internet zu lesen sein. Ich freue mich auch schon auf das königliche Bankett am Abend, wieder im schwarzen Frack.

Am Mittwoch veranstaltet das Königliche Institut für Technik eine Podiumsdiskussion, dort gibt es auch wieder ein Mittagessen. Den Nachmittag habe ich frei. Es wäre schön, ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Dass sich in meinem Leben durch den Preis viel ändert, hoffe ich nicht: Forschung macht mir Spaß, und ich möchte auch weiterhin Zeit für die Kinder haben. Es wird meine Aufgabe sein, die Begeisterung für Wissenschaft und Physik in weitere Kreise zu tragen. Darauf freue ich mich.