Das Any-Projekt: Wer verstehen will, welche Themen und welche Akteure den internationalen Architekturdiskurs der neunziger Jahre bestimmten, der kommt an diesen zehn intellektuellen Kraftpaketen nicht vorbei. Zehn Bände, vollgestopft mit aktueller Architekturtheorie der ambitioniertesten Art und in einem trendsetzenden Buchdesign, das jedem deutschen Grafik-Youngster die Neidtränen in die Augen treiben dürfte.

Palladio kam 1570 noch mit vier Büchern zur Architektur aus. Er konnte sich so kurz fassen, da er sich noch einbilden mochte, kanonische Wahrheiten für eine mittlere Ewigkeit aufzuschreiben. Doch an der Wende zum 21. Jahrhundert ist die Gesamtlage auch in der Architektur bekanntlich unübersichtlicher geworden. Ohne Kanonik keine Lakonik. In einer Epoche der Uneindeutigkeit, wie die Herausgeber von Any sagen, kann es keine Lehrbücher geben, sondern nur Mitschriften komplexer Diskussionsprozesse. Daher also: zehnmal Any, in so gut wie allen Zusammensetzungen, die das amerikanische Englisch hergibt, von Anyone bis Anymore (nur im Dyslexicon von George W. Bush finden sich vielleicht noch weitere Varianten wie "anysome" und "anyme").