Der Euro ist tot, und schuld ist Edmund Stoiber. Wie der bayerische Ministerpräsident in einem noch unveröffentlichten Papier ankündigt, werde zwar auch im Freistaat am 1. Januar 2002 neues Bargeld eingeführt. Aber nicht der Euro, sondern die B-Mark, die Bayern-Mark. Bayern brauche eine eigene Währung, sonst könne es wirtschaftlich nicht gedeihen, sagte Stoiber im vertraulichen Gespräch mit der ZEIT. "Die zugrunde liegende Theorie wurde immerhin mit dem Nobelpreis geehrt."

Alles Unsinn? Nein, nicht ganz. Natürlich hat Stoiber all das nie gesagt. Aber wenn, dann hätte er gar nicht so Unrecht. Rein ökonomisch spräche nämlich einiges dafür, den Euro am 1. Januar nicht einzuführen, sondern abzuschaffen. Genau wie die D-Mark.

Das Fundament der ketzerischen These stammt von dem kanadischen Wirtschaftswissenschaftler Robert Mundell. Der warf 1961 in der American Economic Review eine für die damalige Zeit höchst unkonventionelle Frage auf: Nach welchen ökonomischen Kriterien sollten sich Städte, Regionen oder Länder für eine gemeinsame Währung entscheiden? Die Theorie des optimalen Währungsraums war geboren - und ist noch immer ziemlich lebendig. Vor zwei Jahren erhielt Mundell den Nobelpreis für Ökonomie.

Gemäß seiner Theorie kann eine gemeinsame Währung geradezu desaströse Wirkungen haben. Dies lässt sich am Beispiel von Mundells Heimatland zeigen. Angenommen, der Westen Kanadas produziere vor allem Holz, der Osten dagegen Autos. Wenn nun die Nachfrage nach Autos steigt, die nach Holz dagegen sinkt, dann reißt eine Kluft auf im Land. Im Osten boomt die Wirtschaft, die Autokonzerne suchen händeringend nach Arbeitern, die Preise steigen. Im Westen dagegen verlieren die Holzfäller ihre Jobs. Zwar könnte die kanadische Zentralbank durch massive Zinssenkungen die Nachfrage im Westen wieder ankurbeln - aber dann stiege sie auch im Osten noch weiter und triebe dort die Inflationsrate in die Höhe. Was also tun?

Im Idealfall gar nichts. Dann sind die Westkanadier so wenig sesshaft wie einst ihre Vorfahren, die Europa in Richtung Neue Welt verließen. Die arbeitslosen Holzfäller würden sich auf den Weg nach Osten machen und an den Fließbändern der Autohersteller anheuern. Problem gelöst. Wenn sie aber zu Hause bleiben, die Arbeitsmobilität also gering ist, dann gerät das Land in Schwierigkeiten. Die tiefere Ursache ist die gemeinsame kanadische Währung: Gäbe es einen westkanadischen Dollar und eine eigene Zentralbank, könnte diese die Zinsen senken, ohne auf den Osten Rücksicht nehmen zu müssen. Der Wert des westkanadischen Dollar fiele, Holz würde im Ausland billiger. Die Nachfrage nach Holz stiege wieder, und die Holzfäller fänden Arbeit. Gibt es dagegen nur einen einheitlichen kanadischen Dollar, bleibt dieser Weg versperrt.

Oder sogar eine Weltwährung?

Damit sind die Eigenschaften eines optimalen Währungsraumes umrissen: Er sollte entweder ökonomisch so homogen sein, dass es nicht zu unterschiedlichen Arbeitslosen- und Inflationsraten kommt. Oder aber die Produktionsfaktoren, insbesondere die Arbeitskräfte, sind so mobil, dass sie diese Unterschiede sofort ausgleichen.