Die Väter der Pisa-Studie: Der Pädagogikprofessor Jürgen Baumert, 60, ist wissenschaftlicher Leiter der Untersuchung für die Bundesrepublik. Als Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin verantwortete er bereits die aufsehenerregende Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie Timss. Er ist Deutschlands profiliertester Schulforscher. Hermann Lange, 62, Staatsrat in der Hamburger Schulbehörde, ist Pisa-Beauftragter der Kultusministerkonferenz. Der Jurist wird als graue Eminenz der deutschen Bildungspolitik geschätzt. Schon früh forderte er eine "empirische Wende" in der Bildungspolitik. Mit Geduld und Beharrlichkeit setzten Baumert und Lange die Studie in Politik und Wissenschaft gegen viele Widerstände durch.

Die Zeit: Die Pisa-Studie bringt es an den Tag: Die Leistungen deutscher Schüler liegen nicht nur weit unter dem Schnitt vergleichbarer Länder. Auch die Bildungschancen sind nirgendwo so ungleich verteilt wie hierzulande. Ein Versagen der Politik auf ganzer Linie?

Hermann Lange: Es bringt jetzt wenig, in der Vergangenheit zu bohren. Eines aber steht fest: Die Befunde sind sehr besorgniserregend. Entscheidend ist, dass die Länder entschlossen sind, jetzt die Konsequenzen zu ziehen. Insbesondere bei der Förderung von leistungsschwächeren Schülern.

Zeit: Die Zahl der Schüler, die Spitzenleistungen erbringen, ist ebenfalls dünn.

Lange: Aber das Problem ist nicht so dramatisch wie bei den schwachen Schülern. Das widerspricht der allgemeinen Auffassung, wir müssten vor allem etwas für die Eliteförderung tun. Das müssen wir auch. Aber nach den Pisa-Ergebnissen muss der untere Leistungsbereich unsere besondere Aufmerksamkeit haben.

Jürgen Baumert: Fast ein Viertel der nachwachsenden Generation gehört zu den potenziellen Risikokandidaten, die nur einfachste Texte verstehen können. Zusammenhänge herstellen, das Gelesene mit eigenem Wissen kombinieren, daran scheitern die meisten dieser Gruppe. Diese Schüler werden einen Einstellungstest der Industrie- und Handelskammer kaum bestehen.

Zeit: Hat Sie das Ergebnis überrascht?