Wer mit Schnellschüssen die deutschen Lehranstalten auf Vordermann bringen will, wird scheitern. Aber schon vor Erscheinen der Pisa-Studie haben Bildungsfachleute entscheidende Versäumnisse der Schulpolitik erkannt und proben in allen Bundesländern neue Modelle.

Problem:Den deutschen Schulen steht ein gewaltiger Lehrermangel ins Haus. Mehr als jeder fünfte Lehrer ist älter als 55 Jahre. Bis zum Jahr 2015 werden 40 Prozent der Pädagogen den Dienst quittieren. Es gibt nicht genügend Lehramtsstudenten, um den Bedarf von jährlich 25 000 neuen Pädagogen zu decken.

Lösungsansätze: Lehrer können seit einiger Zeit leichter zwischen den Bundesländern wechseln. Imagekampagnen rufen zum Lehramtsstudium auf. Hamburg und Schleswig-Holstein verbeamten Lehrer wieder. Einige Universitäten, zum Beispiel die in Bochum, wollen Bachelor- und Master-Studiengänge für das Lehramt einführen. Damit soll eine zu frühe Spezialisierung auf den Lehrerberuf verhindert und das Studium verkürzt werden. Je nach Pädagogenbedarf können sich die Studenten nach ihrem Bachelor-Abschluss entscheiden, ob sie in ihren Fächern unterrichten möchten oder ihr Wissen lieber in der Wirtschaft anwenden wollen. Dadurch werden in Zeiten des Lehrerüberschusses weniger vom Lehrerstudium abgeschreckt.

Problem: Schulen und Lehrer fördern begabte und hochbegabte Kinder zu wenig. Hochbegabung geht mitunter mit Schulproblemen einher, stellten Mitarbeiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung in Münster fest. Die Begabung bleibt unerkannt, die Kinder langweilen sich, schalten ab und bekommen Lernlücken, die zu schlechten Noten führen. In der Lehrerausbildung kommt das Thema Hochbegabung kaum vor.

Lösungsansätze: In den Schulen - etwa in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - werden so genannte D-Zug-Klassen eingerichtet, die begabte Schüler schneller zum Abitur führen. An Universitäten wie in Kiel oder Berlin dürfen Elftklässler an Veranstaltungen des Grundstudiums in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern teilnehmen. In Würzburg bearbeiten Schüler und Universitätsdozenten bei Projekttagen mathematische Problemstellungen. Am Internationalen Centrum für Begabtenforschung in Münster lernen angehende Pädagogen, besondere Begabungen bei den Schülern zu erkennen und zu fördern.

Problem: Gesetze, Erlasse und Verfügungen bestimmen den Schulalltag. Die mächtige Schulaufsicht ist viel zu weit weg von Schülern, Lehrern und den Schulleitungen. Lehrer, die etwas verändern wollen, haben mit eingefahrenen Strukturen zu kämpfen. Die Schulen können nicht selbstständig genug agieren, um die Qualität ihrer Arbeit zu sichern.

Lösungsansätze: 300 nordrhein-westfälische Schulen probieren ab August 2002 aus, wie sie als "Selbstständige Schule" zurechtkommen. Das Projekt geht auf die Initiative des Bildungsministeriums NRW und der Bertelsmann Stiftung zurück. Die Schulen dürfen Unterrichtsorganisation und vorgeschriebene Klassengrößen verändern, bekommen ein Personalmittelbudget, können Stellen ausschreiben und die Lehrkräfte selbst auswählen.