Nicht oft in den letzten Monaten wurde die Mehrzahl der Titelseiten von der Innenpolitik beherrscht. Trotzdem gibt es natürlich auch internationale Nachrichten in den Aufmachern: "UN warnen vor Angriff auf Irak", meldet der "Tagesspiegel", "Berlin will klares UN-Mandat für Afghanistan", steht über dem Aufmacher der "Süddeutschen Zeitung". Und für die "Frankfurter Rundschau" geht die "Schwierige Suche nach bin Laden" weiter. "Bild" und "Handelsblatt" kümmern sich - jedes Blatt auf seine Weise - um Luxusdepressionen. "Fusion von Hewlett-Packard und Compaq droht zu scheitern", schreibt das eine Blatt, "Queen lässt Sophie im Schmerz allein", das andere.

Stoiber will angeblich Kanzlerkandidat werden

Auf dem Dresdner Parteikongress der CDU hatte Angela Merkel noch durch eine beherzte Rede ein paar Punkte gesammelt. Nur wenige Tage danach flammt der Streit über den besseren Kandidaten für die Kanzlerkandidatur in den Unionsparteien jedoch wieder auf. "CSU-Chef Edmund Stoiber steht für die Kanzlerkandidatur der Union im nächsten Jahr definitiv zur Verfügung", meldet die "Welt". Erfahren haben will sie dies aus dem "Umfeld des bayerischen Ministerpräsidenten". Zwar ist offiziell noch kein "Ja, ich will" aus dem Mund von Edmund Stoiber vernommen worden. Die Meldung ist aber durchaus glaubwürdig: "Von Edmund Stoiber versprechen sich die CDU-Granden alles, was sie bei Angela Merkel nicht zu finden glauben: Profil, Führungsstärke und Telegenität. Und damit in der Summe genügend Prozente, um wieder zur stärksten Fraktion im Bundestag zu werden", meint Ansgar Graw im Leitartikel der "Welt". Dieses Ziel hätte allerdings jeder politische Mensch vernünftigerweise als utopisch abgetan, wären da nicht die rund vier Millionen Arbeitslosen und die peinliche Tatsache, dass Deutschland in wirtschaftlicher Hinsicht momentan nur die Laterne halten darf. Und deshalb, so argumentiert Kurt Kister in der "Süddeutschen Zeitung", sei wohl noch lange nichts entschieden: "Der Zauderer Edmund Stoiber wartet immer noch ab, ob die Wirtschaftslage so schlecht wird, dass er als Herausforderer von Gerhard Schröder eine reelle Chance bei der Bundestagswahl bekommt." Damit wäre Stoiber ganz der gewiefte Stratege, der ihm zuzutrauen ist. Allerdings könnte es sich auch als falsch herausstellen, gerade die CDU selbst über die K-Frage immer wieder im Unklaren zu lassen, glaubt Berthold Kohler in der "Frankfurter Allgemeinen": "Und Stoiber könnte sich, wenn die CDU so weitermacht, eines Tages genau in der Lage wieder finden, die er mit Recht fürchtet: daß ihm die Kandidatur angetragen wird von einer zerstrittenen, führungslosen und demoralisierten CDU, mit der nur ein politischer Selbstmörder in den Wahlkampf zieht." Ob Stoiber dann noch oder gerade deswegen zu preisen sein wird, ist also offen.

Hat Palästina eine Zukunft?

Ein Selbstmordattentäter sprengt einen Schulbus mit Kindern in die Luft, ein Baby wird gezielt mit einem Kopfschuss getötet, eine Bombe tötet Dutzende Menschen auf einmal. Beispiele für Attentate palästinensischer Terroristen gibt es genügend, der Sprengsatz vom Sonntagmorgen, durch den elf Menschen verletzt wurden, ist nur eines davon. "Ähnlich gnadenlos wie die Palästinenser agieren die israelischen Soldaten", bemerkt Dorothea Heintze im "Tagesspiegel". "Der Verdacht auf Kollaboration mit der Hamas reicht aus, schon werden Häuser mit Panzer niedergewalzt, Familien mit kleinen Kindern obdachlos, Verhaftete gefoltert." In diesem Konflikt droht der Staat Palästina zwangsläufig unterzugehen. Mitglieder seines Kabinetts hätten sich dafür ausgesprochen, dass der "Zusammenbruch der Palästinenserregierung herbeigeführt werden müsse", zitiert die "Frankfurter Rundschau" den Israelischen Ministerpräsidenten Scharon aus einem Interview gegenüber der Zeitschrift "Newsweek". Rettung durch Jassir Arafat ist kaum in Sicht, schon seit Jahren liefert der ehemals charismatische Friedensnobelpreisträger eher Hinweise darauf, dass mit ihm nicht zu rechnen sein. "Arafat, der ebenso wie die meisten Mitglieder der palästinensischen Regierung in der Stadt Ramallah festsitzt, machte während des Interviews einen wütenden, bisweilen verwirrten Eindruck", beschreibt Anne Ponger in einem Bericht für die "Frankfurter Rundschau" das Verhalten Arafats gegenüber einem Redakteur des israelischen Staatsfernsehens. Ist Arafat und damit auch Palästina am Ende? "Eine politische Lösung des Palästina-Problems im Sinne der Durchsetzung eines unabhängigen Palästinensischen Staates ist nicht mehr vorstellbar. Arafat bleibt nur die Rolle des Kollaborateurs der Besatzer", meint Abdel Mottab el Huseini im Titelkommentar der "tageszeitung".

Schwierige Suche nach Osama bin Laden

Während an einer politischen Lösung des Afghanistan-Problems genauso fieberhaft wie erfolgreich gearbeitet wird, geht die Suche nach dem meistgesuchten Verbrecher der Welt weiter. Aber wo zum Teufel hat sich der Teufel versteckt? Im Höhlenlabyrinth Tora Bora? In den anliegenden Wäldern? Oder längst in einer Luxusbleibe in Pakistan? Aus den Reihen der afghanischen Militärs und ihrer Kommandeure kommen immer wieder neue und andere Hinweise über den Aufenthaltsort des Osama bin Laden. Und das macht die Suche so schwierig: "Die afghanischen Militärs und Kommandeure sind alles andere als unbeteiligte Beobachter; je lauter sie 'Wolf', sprich: bin Laden, schreien, desto sicherer können sie sein, dass das Interesse und die Militärhilfe der Vereinigten Staaten für sie nicht nachlassen", schreibt Florian Hassel in einem Artikel für die "Frankfurter Rundschau". Doch es ist eigentlich egal, wo sich der Terrorist bin Laden versteckt hält, denn seinen Häschern hat der Präsident der Vereinigten Staaten aufgetragen, ihn in jedem Fall zu stellen. Allerdings dürfte dies schwer fallen: Derzeit bombardiert die amerikanische Luftwaffe unablässig das Höhlensystem Tora Bora, in dem bin Laden noch am ehesten vermutet wird. US-Präsident George W. Bush in einer kürzlich im amerikanischen Fernsehen gesendeten Homestory zu der Frage, ob er bin Laden lieber tot oder lebendig gefangen sehen würde: "I don't care" - Es ist mir egal.