Die Idee der Geld-zurück-Garantie ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren führte Branchenprimus TUI ein Qualitätsversprechen mit fast identischem Wortlaut ein. FTI und Alltours zogen nach. FTI nahm die Garantie allerdings wieder zurück. Thomas Cook sieht sich jedoch keinesfalls als Nachzügler, sondern stellt den neuen Kundenservice als Teil eines groß angelegten Qualitätssicherungsprogramms dar, das bereits vor zwei Jahren angelaufen sei. So habe man in 27 beliebten Urlaubsregionen wie Mallorca, Kreta, der türkischen Riviera und den Kanarischen Inseln Qualitätsmanager eingesetzt. Hotels, Autovermieter und Agenturen würden einer regelmäßigen Inspektion unterzogen, Reiseleiter permanent geschult.

Nach den heftigen Preiskämpfen der vergangenen Jahre setzen die Touristikkonzerne nun auf neue Strategien. "Mit 'billiger als im Vorjahr' muss endlich Schluss sein", sagt Volker Böttcher, Chef von TUI Deutschland. Besonders in der schwierigen weltpolitischen Lage und bei der Verunsicherung vieler Menschen, so TUI und Thomas Cook unisono, müsse man künftig noch stärker den Qualitäts- und Sicherheitsaspekt betonen.

Das klingt verheißungsvoll für den Urlauber. Doch Verbraucherschützer haben die Qualitätsversprechen der Veranstalter längst als reines Marketinginstrument abgestempelt. Die Geld-zurück-Garantie spiegele lediglich die gültige Rechtslage wider, heißt es. "Gängige Rechtsprechung ist, dass der Reisende den Vertrag ab einer Minderungsquote von etwa 50 Prozent kündigen kann", sagt Sabine Fischer, Reiserechtexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Auch Veranstalter geben zu, dass es sich bei solcherlei Versprechen eher um Maßnahmen zur Förderung des Verkaufs handelt. Anette Forré, Sprecherin des zur Rewe-Gruppe gehörenden Veranstalters ITS: "Die Rückzahlung des Reisepreises bei erheblichen Mängeln ist bei uns gelebter Alltag."

Neckermann, TUI und Alltours bewegen sich dennoch auf dünnem Eis: Denn in ihren allgemeinen Versprechen garantieren sie den Reiserücktritt nicht nur bei gravierenden, sondern auch schon bei kleinen Mängeln. So könnte ein Urlauber theoretisch zurückfliegen und sich zumindest einen Teil des Reisepreises erstatten lassen, wenn es dem Veranstalter nicht gelingt, dem Gast den Föhn zur Verfügung zu stellen, den er im Reiseprospekt versprochen hatte. Seit Mai dieses Jahres gibt es hierzu auch ein rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts München (AZ 191 C 3759/01). Demnach haftet der Veranstalter, der ein solches Versprechen gibt, auch bei "nicht erheblichen Mängeln".

Warum setzen sich die Veranstalter dann überhaupt mit dem Qualitätsversprechen unter Druck? Zum einen, weil diese Werbung wenig kostet: Wenn der Hotelier patzt, holt sich das Reiseunternehmen die Summe von ihm wieder. Außerdem wirkt die Geld-zurück-Garantie auch positiv nach innen. Sybille Jeschonek, Alltours-Marketingleiterin: "Wir haben festgestellt, dass das Qualitätsbewusstsein sowohl bei unseren Mitarbeitern wie auch bei den Leistungsträgern deutlich gestiegen ist."

Viel zu befürchten haben die Veranstalter ohnehin nicht, wie die Statistik zeigt: Die allgemeine Beschwerdequote liegt bei den meisten großen Reiseunternehmen bei etwa zwei Prozent. Zudem wird die Garantie äußerst selten in Anspruch genommen: TUI zählte im ersten Jahr nach der Einführung neun Fälle, im abgelaufenen Geschäftsjahr acht. Bei Alltours wurde die Garantie ebenfalls nur von acht der insgesamt 1,2 Millionen Gäste in Anspruch genommen.