Aber weshalb gerade heute? Man musste gestern die Pressekonferenz der SPD und PDS im Stadtstaat - oder in der Staatsstadt - Berlin einfach gesehen haben, in der Langfassung, um an allen Äußerungen der Wort-, Bild- und Körpersprache der Häuptlinge endgültig jeden Zweifel darüber zu verlieren, was Sache ist. Der gegenwärtige Zwischen-Bürgermeister Klaus Wowereit gab so deutlich, wie sonst kaum möglich, zu erkennen: Ich wollte eigentlich immer nur diese - bevorstehende - Koalition; alles andere war mir nur von höherer Stelle aufgezwungen - jetzt bin ich die Grünen und Gelben endlich los. Wowereit mag am Ziel sein - was immer sein Ziel sein mag. Aber nicht nur, dass er jetzt über seine Wunschkoalition verhandeln darf - er muss dies nun als geschwächter Verhandlungsführer tun: Denn wer sich selber von zwei Optionen auf eine reduziert, hat am Ende keine mehr. Was er zwar auch gar nicht wollte - aber nun auch objektiv nicht (mehr) hat.

Und man spürte gestern ganz deutlich: Wowereit und seine SPD haben über die erste Option, über die "Ampel" (rot-grün-gelb), in Wirklichkeit gar nicht ernsthaft verhandelt, sondern haben mit ihrem inneren Eventualvorsatz (Wir wollen ohnehin lieber rot-rot) die beiden denkbaren kleinen Koalitionspartner sich tapfer ineinander verhakeln lassen - damit die SPD sie mühelos wieder los werden kann. Man wird sehen, wohin das führt. Wer die PDS im Milliardenloch Berlin entzaubern will, muss wissen: Er sitzt selber drin!

Das hätte man sich alles auch so denken können. Aber seit ich's in Phoenix gesehen habe, bin ich dessen ganz sicher. Und wer steigt am Ende aus der Berliner Asche auf?

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