Und nun die Katastrophe: Nein, nicht die Pisa-Studie über das schlechte Abschneiden der deutschen Schulen – sondern die Reaktion der deutschen Kultusminister darauf. Die tun so wie der Schäfer, nur dass der Recht damit hatte: Sie tun nämlich so, als sagte die Studie ihnen eigentlich gar nichts Neues. Und trotzdem wissen sie in wenigen Minuten, was jetzt sofort zu tun ist. Da kann man nur auf einen alternativen Schluss kommen: Entweder sie haben nichts gewusst vom Zustand der Schulen – dann ist dies die Katastrophe. Oder sie haben es doch längst gewusst, aber dennoch nichts getan – dann ist eben dies das Desaster. (Oder, dritte Möglichkeit, sie hätten die Studie regelrecht bestellt – was aber nicht der Fall ist – , damit die Studie das leistet, was Unternehmensberater in der Regel tun: Als sozusagen unparteiische Experten das aussprechen, was die Mitglieder des Vorstandes seit langem wissen, was aber auszusprechen – und zu ändern – sich keiner getraut.)

So oder so: Wozu haben wir – so war bisher zu fragen – dieses absurde System der kryptozentralistischen Kultusministerkonferenz, wenn sie eh’ nur dazu führt, dass keiner sich quicker bewegen darf als der Lahmste? Und nun fragen wir erst recht: Wozu brauchen wir den ganzen Verein, wenn nach aber fünfzig Jahren dieses Riesenaufwandes nur herausgekommen ist, dass wir unsere Kinder um einen beträchtlichen Teil ihrer Zukunftschancen betrogen haben? Nämlich um das Grundkapital einer optimalen Ausbildung…

Kein Wunder, dass ein Absolvent dieses Schulsystems später, als Unternehmensberater, einen Hund nicht von einem Schaf unterscheiden kann.

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