Gewiss nicht für Gerhard Schröder - und damit sind wir beim zweiten Fall der Verunsicherung. Der Kanzler wird gegenwärtig allüberall an die Grenzen seiner Macht erinnert. Die Vertrauensfrage hat er kürzlich zwar überstanden - aber er hat sie nicht wirklich genutzt (zur Suche nach einer neuen Mehrheit), sondern nur benötigt, um seine eigene Partei und die Mehrheit der Koalition zusammenzuhalten. Aber wer mit einem solchen Instrument spielt, ohne es ganz auszuspielen, hat es nicht nur verbraucht, sondern sieht selber verbraucht aus. Und nun zeigt ihm der bisherige (und vielleicht auch künftige) Nobody Klaus Wowereit, dass ein Kanzler ihm gar nichts zu sagen hat - weder bei der Wahl eines Koalitionspartners noch sonstwie. Zum ersten Mal sieht es so aus, als sei Gerhard Schröder in der nächsten Bundestagswahl doch noch zu besiegen - zumal wenn die Dinge in der politischen Hauptsache alles andere als rund laufen: Mit der Reduzierung der Arbeitslosigkeit, mit dem Bündnis für Arbeit, mit der nächsten Lohnrunde - da sieht nichts so gut aus, wie es sein müsste.

Deshalb kommt es nun zur Verunsicherung Nummer drei: Angela Merkel hat zwar ihren Parteitag überstanden, für ein paar Tage, aber nicht in der Partei. Seit Schröder besiegbar aussieht, will die Union auch einen Kanzlerkandidaten, der siegen kann - und in Frau Merkel sieht niemand diese Siegergestalt. Also wird sie so lange verunsichert, bis man sicher sein kann, dass sie es nicht wird. Und damit sie sich in ihr Schicksal fügt, wird auch Friedrich Merz ordentlich verunsichert: Sein Posten als Fraktionsvorsitzender soll nach der Wahl an Angela Merkel fallen - als Trostpflaster und Preis für die Selbstaufgabe. Kann man so machen: Denn entweder gewinnt Stoiber die Wahl, dann ist es egal, wer unter ihm Fraktionsvorsitzender ist - oder er verliert: dann auch.

Und so könnten wir unsere nach oben offene Liste der Verunsicherten fast schon schließen, wäre da nicht noch Kurt Biedenkopf in Sachsen samt seiner Frau. Doch die beiden sind offenbar nicht zu verunsichern. Aber das ist ja gerade das Problem.

Also gar keine gute Nachricht? Doch! Die Grünen haben in Hamburg alle Heiligen Kühe geschlachtet: Die Doppelspitze, die Trennung von Amt und Mandat… Wenn das so weitergeht, was soll da noch sicher sein?

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