Nun, doch noch lieber mit Erich Honecker - als mit den aufsässigen Polen. Denen war damals gerade das Kriegsrecht verhängt worden. Die ostdeutschen Genossen von der SED fürchteten den polnischen Aufruhrbazillus wie der Teufel das Weihwasser - und der westdeutsche Egon Bahr überschrieb damals passend dazu im "Vorwärts" einen Artikel mit der Zeile: "Der Friede ist wichtiger als Polen!" Ja, wer wollte sich damals schon seine schöne Realpolitik von den romantischen Polen kaputtmachen lassen? Von Bismarcks Polenverachtung zog sich da eine feine Spur bis in die jüngste Gegenwart.

Nun, Polen gibt es noch, den Frieden in Europa auch - wäre es da nicht an der Zeit, sich Folgendes bewusst zu machen? Deutschland (und vor ihm: Preußen) hat bislang in der Geschichte noch nichts getan für Polens Freiheit und Einheit - ganz im Gegenteil! Aber ohne die polnische Aufsässigkeit besonders der frühen achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gäbe es nicht die deutsche Einheit und nicht die Freiheit auch für die Ostdeutschen. Jetzt aber gibt es in den Grenzen des in der Politik eben noch Möglichen so etwas wie eine Gelegenheit zum Dank und zur Wiedergutmachung - bei der wohlwollenden Begleitung Polens in die EU; wenn die Polen das wollen.

Also setzen wir auf Honeckers klebriges Bonbon für Helmut Schmidt anderthalbe: Eine Bonbonniere für unsere polnischen Nachbarn: " Je vous ai apporté des bonbons! " Mit wem an unserer östlichen Seite wollten wir denn sonst in die europäische Zukunft promenieren?

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