Unsere Gesellschaft hat sich bequem eingerichtet in ihrem Wohlstands- und Armuts-Suff - wer ihn aushält, gilt als rechter Kerl, wer nicht: der ist letztlich selber schuld. Und wer es oft nicht aushält, wird zum Sündenbock zugleich: Der Alkohol frisst seine Kinder!

Dass aber die Resistenz gegen Alkohol keine Frage der Männlichkeit oder des standfesten (oder trinkfesten) "Charakters" ist, dass vielmehr die pseudo-männlichen Mutproben des Ex-Trinkens einem "russischen Roulette" mit lauter scharfen Kugeln im Revolver gleichkommen, dass jemand, der zum kollektiven Suff anheizt, sich in Wirklichkeit der Selbstverstümmelung und der kollektiven schweren Körperverletzung (unter Einsatz von Gift!) schuldig macht, und zwar in Tateinheit - dies alles gerät darüber aus dem Bewusstsein. Und wer das alles nicht aushält, der wird nicht nur zum Sündenbock - sondern überdies zum Hofnarren für diese Art von "Erlebnisgesellschaft". Wie Harald Juhnke

Jetzt hat ihn der Alkohol offenbar endgültig zerstört und der Mann so etwas wie eine Ruhe - denn weil er nicht mehr auftauchen kann, kann er auch nicht mehr abstürzen. Und keinen Scheinheiligen mehr amüsieren. Der Narr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen… Wenn er noch laufen kann.

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