Fast eine Milliarde Dollar hat Samara bei Investoren und Sponsoren gesammelt, um mit insgesamt drei Satelliten bis zu 80 Radioprogramme in Afrika, Asien und Lateinamerika auszustrahlen. Alles, was man zum Empfang benötigt, ist ein spezielles Kofferradio mit einer kleinen, aufklappbaren Satellitenantenne. Bei freier Sicht nach Süden funktioniert der Empfang sogar noch in Norddeutschland. In brillanter Tonqualität ist dann zum Beispiel Radio Sud zu hören, ein Privatradio aus dem Senegal, oder der staatliche Rundfunk aus Kongo Brazzaville, mehrere Musikprogramme oder auch die Afrikadienste von BBC und Bloomberg. Und wer will, kann zusätzlich noch seinen PC direkt an das Radio anschließen und ausgewählte Internet-Angebote gebührenfrei empfangen.

"Die Letzten werden die Ersten sein", sagt Noah Samara über sein Projekt. Ausgerechnet auf dem technologisch rückständigsten Kontinent hat mit Worldspace das Zeitalter des digitalen Hörfunks begonnen. 400 000 Empfangsgeräte sollen bis Ende des Jahres verkauft werden - zu Preisen, die heute noch zwischen 300 und 1000 Mark liegen, bei größerer Verbreitung aber schnell sinken werden. Das Marktpotenzial schätzt Worldspace auf rund 200 Millionen Haushalte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Von derlei hoffnungsvollen Prognosen sind die deutschen Digitalsender weit entfernt. Schon 1988 begann man mit der Entwicklung der digitalen Technik. Über 200 Millionen Mark haben die Rundfunkgebührenzahler - ohne es zu wissen - für die Entwicklung des Digitalradios ausgegeben. Mindestens noch einmal so viel wurde an öffentlichen Forschungsmitteln vergeben und von der Industrie in die Systementwicklung gesteckt. Seit 1997 wird die Technik nun auch tatsächlich genutzt. Rund 100 digitale Radioprogramme werden hierzulande per Antenne ausgestrahlt. Nur: Gehört werden sie von fast niemandem. Während die Zahl der UKW-Empfänger auf 500 Millionen geschätzt wird, stehen bisher kaum mehr als 10 000 digitale Empfangsgeräte in deutschen Haushalten.

Die Technik für den Antennen-Empfang von digitalem Hörfunk heißt DAB (Digital Audio Broadcasting) und stammt aus einer Zeit, in der der Begriff Multimedia noch nicht erfunden war. Ähnlich wie beim Übergang von der Schallplatte zur CD ersetzt DAB lediglich die analoge durch eine digitale Speicherung und Übertragung der Töne.

Doch welchen Nutzen DAB für die Hörer haben könnte, ist trotz vieler Pilotprojekte, Forschungsarbeiten und Marktstudien bis heute nicht recht klar. Also machen die Anbieter digitaler Empfangsgeräte keinen Umsatz, und folglich werden die Digitalradios nicht billiger. Unter 500 Mark ist bisher kaum ein DAB-Empfänger zu bekommen.

Trotzdem: Das Digitalradio wird kommen. Es wird sich schon deshalb durchsetzen, weil es auf den heiß umstrittenen Frequenzbändern Platz schafft für mehr Programme. Schon haben einzelne Autohersteller angekündigt, dass sie einige Mittelklassewagen serienmäßig mit kombinierten UKW/DAB-Empfängern ausstatten wollen. Und 2003 will die Initiative Digitaler Rundfunk, ein von der Bundesregierung eingesetztes Beratergremium, den Termin für die Abschaltung des analogen UKW-Hörfunks festsetzen. Angepeilt wurde bisher ein Zeitpunkt irgendwann zwischen 2010 und 2020, es kann aber auch noch länger dauern. Denn die Deutschen - so haben Umfragen gezeigt - wollen die neue Technik nicht. Die ganz große Mehrheit ist mit ihren alten UKW-Radios vollauf zufrieden. Um sie zur Anschaffung neuer Empfangsgeräte zu bewegen, müssen sich die Sender schon etwas einfallen lassen.

"Es müssen schlüssige und wirtschaftlich tragfähige Konzepte für neue Dienste entwickelt werden, die die zusätzlichen technischen Möglichkeiten nutzen und für den Verbraucher einen Mehrwert darstellen", fordert denn auch Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder. Leicht gesagt, doch welchen "Mehrwert" könnte denn digitales Radio für die Konsumenten überhaupt haben? Drei Antworten sind auf diese Frage immer wieder zu hören: Klangqualität, Verkehrsnachrichten und Zusatzinformationen zur Musik. Doch allenfalls zwei Begründungen davon können gelten.