Chinas älteste politische Partei nimmt Abschied von der Macht. Am Samstag verlor die Nationale Volkspartei (Kuomintang) die Parlamentswahlen in Taiwan.

Die Insel war die letzte Bastion der Kuomintang, die im Jahr 1912 in Nanking auf dem chinesischen Festland gegründet worden war. Auf Taiwan hielt sie sogar die Stellung als stärkste politische Kraft. Vor knapp neunzig Jahren hatte die Kuomintang die ersten Wahlen Chinas nach dem Sturz des Kaiserreichs klar gewonnen. Damals waren 40 Millionen Chinesen wahlberechtigt - mit Ausnahme von Frauen, Opiumrauchern und Analphabeten.

Doch die Kuomintang brachte dem Land kein Glück. Ihr historischer Führer, Generalissimus Tschiang Kai-schek (1887-1975), war zeit seines Regierens ein Diktator, der vor nichts zurückschreckte. Tschiang beherrschte seit den zwanziger Jahren erst größere, dann immer kleinere Teile Chinas. Selbst nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten sicherte Tschiang in einer dramatischen Flucht sein politisches Überleben. Auf Taiwan, wohin er und seine Parteigänger 1949 entkamen, regierte die Kuomintang bis heute.

Auch dort hat die Partei jetzt abgewirtschaftet. Die noch junge Demokratie auf Taiwan hat sich bewährt. Aber das Erbe der Kuomintang und ihres einstigen Parteiführers Tschiang Kai-schek lebt weiter: im undemokratischen China.