Die Morgensonne steigt auf über Los Angeles und erhellt einen Tag des Neuanfangs. Sein Ende soll Gewissheit bringen: Der Jungpolizist Jake (Ethan Hawke) wird erfahren, was sein neuer Job als verdeckter Ermittler des Drogendezernats von ihm verlangt. Sein Chef und Ausbilder Alonzo (Denzel Washington) wird wissen, "wer oder was" der neue Mann ist: "Entweder bist du Schaf oder Wolf, entweder gehst du abends nach Hause oder landest in der Leichenhalle." Keiner von den beiden wird die Antwort finden, die er erwartet.

Jakes erster Tag im neuen Job beginnt als Ausflug in bekannte Genrebilder des Polizeifilms, den Training Day von Beginn an als eigenen akzeptiert: hier ein erfahrener, abgeklärter Undercover-Cop - da sein junger Schüler/Partner, dessen heile Polizeischulenwelt auf dem harten Straßenpflaster zerschellen muss. Das seit Jahren ausgemalte Kinoklischee von Los Angeles als pittoresker Heimstatt von Gangs und Drive-by-Shootings ist wie geschaffen für ein solches Falling Down. Mit Colors - Farben der Gewalt wird vom Leben und Sterben in L.

A. erzählt.

Langsam durchmisst Alonzos Wagen "seine" Stadt. "Riech die Straße", und "vergiss die Scheiße, die du auf der Akademie gelernt hast, sonst wirst du hier draußen sterben!" - so das markig-männliche Wort des stahlgebadeten Straßenkönigs, der seinen Ziehsohn in eine neue alte Welt führt. Eine Dialektik des Genres kommt mit in Fahrt: Je verunsicherter und verwirrter der junge Held Jake - "Eigentlich wollte ich Drogen bekämpfen und nicht selbst welche probieren" -, desto sicherer finden wir uns im Schema zurecht.

Ebendiese Sicherheit aber ist das eigentliche Ziel von Training Day

sie muss erreicht und gefunden sein, um getroffen und erschüttert zu werden.

Mit dem letzten Schritt dahin beginnt der Konflikt zwischen Jake und Alonzo.