Alt war der Plan und in vielen Träumen geboren: einmal den Parsifal zu dirigieren. Der Termin war scharfsinnig fürs Ende seiner Zeit beim Berliner Philharmonischen Orchester bestimmt. In einigen Monaten wird er abtreten, dann wollte er das Höchste riskiert und jede Skepsis besiegt haben.

Doch zuvor musste der Dirigent Claudio Abbado selber die Schmerzen des Amfortas erleiden und den Weg der Erkenntnis beschreiten. Er erkrankte an Magenkrebs, sah im Spiegel den Tod und bekämpfte ihn. Er hörte ihn, als er Tristan dirigierte, und bannte ihn durch das Strömen einer Liebeserweckung.

Er gab seine Gedanken zur Tonkunst im Buch Musik über Berlin (Verlag Axel Dielmann, Frankfurt am Main) wie ein letztes Manifest zu Protokoll. Jetzt schien der Weg zu Wagners finalem Erlösungszauber frei.

Doch dann erschien ein anderes Buch und erregte seinen Zorn: Christian Förschs Biografie Claudio Abbado - Die Magie des Zusammenklangs (Henschel Verlag, Berlin). Ihr Titel ist hagiografisch, ihr Text eine Schmähung

ins trübe Wasser pauschalen Lobs goss der Autor häufig die Säure seiner Kritik an Abbados kunstweltlicher Grandezza. Der Maestro, derart brüsk ins Mittelmaß gedrängt, reagierte wie angeschossen und versuchte das Buch zu verhindern, indem er das beleidigte Persönlichkeitsrecht über die still lächelnde Souveränität stellte. Förschs Meinung konnte er nicht unterbinden, also fahndete er nach strittigen Fakten und belegte sie gerichtlich mit Zensur.

Mittlerweile gibt es das Buch nur mit ein paar Schwarzbalken, wodurch es spannender wirkt, als es ist. Eine missliche Affäre, aus der es jetzt, in der ahnungsvoll erregten Berliner Philharmonie, nur einen Ausweg geben kann, indem ein lästiges Buch zu- und das wahre aufgeschlagen wird: der konzertante Parsifal.

Flammende Abschiedsgeste? Erlösung langer Sehnsucht? Schwanengesang? Abbado lässt solche Fragen unbeantwortet, denn Wagners Bühnenweihfestspiel möchte er als reinste aller Musiken bieten - ohne Weihe, ohne Fest, ohne Spiel. Abbado, der zu jedem Akt fast ans Pult springt, dirigiert Wagner lyrisch, als Konzentration, als Besinnung, als Demutsübung vor den Sängern (darunter Kurt Moll, als Gurnemanz die leibhaftige Majuskel der Wagner-Bässe, sodann Robert Gambill als glühender Parsifal, Albert Dohmen als elegischer Amfortas und Linda Watson als expansive Kundry). Abbado, ihr getreuer Diener, bringt die Musik nobel zum Atmen. Er lauscht ihrem Fluss, dem zarten Mischklang, dem Zauber der Motive. Er dirigiert mit leicht nervösem Grundpegel, mit wachem Kontrollblick