Giovanni Bisignani, Vorstandschef von Opodo, versucht, der Skepsis mit Fakten und viel Optimismus zu begegnen. "Auch wenn die Buchungen von Flügen über den traditionellen Weg zurückgegangen sind, Buchungen von Flugreisen via Internet haben den Stand von vor dem 11. September bereits übertroffen", sagt er. "Das Marktforschungsinstitut Forrester Research schätzt, dass der europäische Online-Reisemarkt von heute 4,5 Milliarden Euro auf knapp 40 Milliarden bis 2006 steigen wird. Allein in Deutschland soll der Umsatz an im Netz gebuchten Reisen im gleichen Zeitraum von einer Milliarde auf gut 10 Milliarden Euro wachsen." Überhaupt die Deutschen. Sie sind diejenigen, die am häufigsten auf Reise-Sites surfen und buchen. Hier sei also der Markt, um mit einem paneuropäischen Reiseportal zu starten, verkündet Bisignani. Großbritannien und Frankreich, die nächstwichtigen Märkte, sollen in wenigen Monaten folgen.

Den größten Trumpf jedoch sieht Bisignani im Angebot selbst: 80 Prozent aller in Deutschland buchbaren Flugkapazitäten sollen über Opodo verfügbar sein. Bei einer Anfrage vergleicht die Suchmaschine Tarife von 480 Airlines. Dazu kommen Angebote von 54.000 Hotels und 23.000 Mietwagenstationen weltweit sowie Informationen zum Reiseziel vom Kooperationspartner Baedeker-Reiseführer. Wer da vor lauter Angeboten die Orientierung verliert, dem hilft ein Call-Center - Tag und Nacht. All das werde unter "höchsten Sicherheitsstandards" und in einem "ansprechenden Design" präsentiert - zumindest Letzteres lässt sich schon beim Start vergangenen Freitag bestätigen.

Nun betreiben die geldgebenden Fluggesellschaften auch selbst Buchungsportale, Lufthansa beispielsweise ihren Info-Flyway. Macht sich die Airline da nicht Konkurrenz durch das eigene Kind? Der Info-Flyway richte sich im Gegensatz zu Opodo vor allem an Geschäftsreisende und Stammkunden. Mehr als die Hälfte der Buchungen machten sogar First-Class- und Business-Class-Buchungen aus, sagt Thierry Antinori vom Vertrieb Lufthansa. Für Opodo hingegen erwarte man drei Viertel der Buchungen in der Economy-Klasse, getätigt von Gelegenheitskunden oder Urlaubern.

Entscheidend für die Fluggesellschaften ist wohl schlicht der Ausbau des jungen Vertriebskanals. Bislang rangieren auf ihren Budgets die Kosten für den Ticket-Vertrieb hinter den Personalkosten an zweiter Stelle. Über das Internet lassen sich die Kosten pro verkauftem Ticket senken - um bis zu 25 Prozent. Damit wirbt Opodo. Denn die Ersparnis wird zur Verhandlungsmasse für die Tarife, die der neue Reise-Service auf seinen eigenen Seiten anbieten kann.

Dass diese Ersparnisse tatsächlich an den Kunden weitergereicht werden, dafür muss Opodo sogar bürgen. Die Brüsseler Kommission hatte einen misstrauischen Blick auf die neue Flugbuchungsvereinigung der Airlines geworfen. Es wurde befürchtet, dass ein Marktführer Opodo seinen Geldgebern Preisabsprachen erlauben könnte. Also muss Opodo die ausgehandelten Tarife weiterreichen. Dem Verbraucher zum Nutzen. Vielleicht kann er sich den Namen dann sogar irgendwann merken.

2. ONLINE UNTERWEGS

Bei Reiseportalen im Internet kann man grundsätzlich vier Anbietertypen unterscheiden: Solche, die auch offline Reise-Riesen sind oder mit dem Reisemarkt zu tun haben, dann natürlich Internet-Start-ups, die sich im Online-Reisegeschäft etablieren möchten, Offline-Unternehmen, die bislang nichts mit Reisen zu tun hatten, und schließlich tummeln sich im Netz auch noch die großen Portal-Anbieter. Jüngstes Kind ist hierbei T-Travel von T-online. Für die anderen drei exemplarisch vorgestellt: www.thomas-cook.de, www.travelchannel.de und www.expedia.de