Solche Auktionshäuser - und auch Sotheby´s selber, das eine Geschichte von 257 Jahren hat - sind eigentlich eine britische Tradition. Ihre Auktionen sind Ereignisse der feinen Gesellschaft, ihre Erträge dienen seit Jahrhunderten dem verarmenden Adel zur Refinanzierung. Drum waren auch nicht wenige Briten entsetzt, als der Detroiter Einkaufshallen-König Alfred Taubman Sotheby´s im Jahr 1983 aufkaufte - und einen gnadenlosen Kommerzialismus einführte.

Es ist jetzt auch offiziell, dass Taubman selber nicht unbedingt zur vornehmen Gesellschaft zu rechnen ist: Es stand am Donnerstag in allen Zeitungen. Der 76jährige mehrheitliche Besitzer des Auktionshauses muss für drei Jahre hinter Gitter. Das Federal District Court in Manhattan beschuldigt ihn eines ganz und gar unfeinen Umgangs mit seiner Kundschaft: Taubman und seine Manager haben sechs Jahre lang Preisabsprachen mit der Konkurrenz getroffen, ihre Klientel dabei um schätzungsweise eine Milliarde Mark betrogen, und das ganze fand auch noch krimireif in geheimen Treffen in Hotelzimmern und Autos statt. Bloß: Freunde der britischen Tradition können sich kaum beschweren. Taubmanns Verschwörungs-Partner war nämlich das andere ur-britische Traditionshaus Christie´s aus dem piekfeinen St. James´s. Und dessen ehemaliger Chef, Sir Anthony Tennant, 71, weigert einfach, aus England auszureisen. Dann kann er in New York nicht vors Gericht gestellt werden.

Immerhin: Am Mittwoch sprach im Gerichtssaal des Federal Court der Postbote und Jury-Sprecher Mike D´Angelo das Urteil über den Milliardär: "Schuldig". Die anderen Jurymitglieder waren unter anderem ein Gabelstapler-Fahrer, ein Fotograf und ein Schaffner - und sie hatten viel gelernt über die feine Gesellschaft ihrer Stadt. Während sich der Staatsanwalt alle Mühe gab, Alfred Taubmann als intriganten Preisfixer hinzustellen, als Jetsetter mit Wohnungen in aller Welt und sechs persönlichen Assistenten und präsentierte die Verteidigung ihre ganz eigene Charakterstudie: Der Angeklagte sei eigentlich des Lesens und Schreibens unkundig, habe keine Ahnung von Bilanzen und habe sich im Geschäftsalltag vor allem für das Mittagessen interessiert. Taubmann döste dazu recht glaubwürdig im Gerichtssaal herum, lutschte Pfefferminzbonbons oder nickte gelegentlich ein.

Wird der internationale Kunstmarkt jetzt aufgemischt? Wahrscheinlich, aber nicht durch den Urteilsspruch aus New York. Brancheninsider berichten, dass das (ebenfalls alte, britische, traditionelle) Auktionshaus Phillips dem Monopoltreiben am Kunstmarkt schon seit Jahren ein Ende zu setzen versucht. Der "kleine Bruder" von Christie´s und Sotheby´s gewinnt massiv Marktanteile durch Preisgarantien für Verkäufer und kleine Margen - die es sich leisten kann. Denn Phillips gehört inzwischen Bernard Arnault, dem Chef der Luxusgütergruppe LVHM - einem Franzosen.

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