Der Rest gibt die Ereignisse des Wochenendes wieder. "Stammeskrieger im Osten Afghanistans melden endgültigen Sieg über Al Qaida", textet die "Frankfurter Allgemeine", die "Welt" schreibt: "Terrororganisation Al Qaida ist am Ende". In der "Frankfurter Rundschau lesen wir, "Arafat fordert Ende der Gewalt", fast wortgleich formuliert der "Tagesspiegel". Die "Süddeutsche Zeitung" nimmt die Beschlüsse auf dem EU-Gipfel in Laeken ins Visier und meldet: "Europa soll demokratischer werden" auf der Eins. Das "Handelsblatt" freut sich mit seinen Lesern, denn das "Weihnachtsgeschäft läuft überraschend gut". Und als hätten wir geahnt, dass es irgendwann so kommen wird: "Ulla Kock am Brink. Sie bricht ihr Schweigen", kündigt die "Bild" an.

Al Qaida ist am Ende

Endlich, der Krieg in Afghanistan kann dem Ende zugehen. Nach knapp zwei Wochen Dauerbombardement haben die USA und ihre afghanischen Allianzen offenbar eine weitere wichtige Schlacht gewonnen. Die gesamte Region um die Bergfestung Tora Bora sei von Kämpfern der mutmaßlichen Terrorgruppe Al Qaida befreit worden, heißt es aus Kreisen der Taliban-Gegner. Die Luftangriffe wurden daraufhin zwar eingestellt, doch die entscheidende Schlacht steht noch bevor: Osama bin Laden war nicht unter den Gefangenen. Ihn zu finden, ist die letzte Aufgabe des US-Militärs - und die könnte sich als ‚Mission Impossible' erweisen. Denn trotz angeblich abgehörter Telefonate des Terrorchefs, spricht Vieles dafür, dass er sich bereits vor Wochen abgesetzt hat, die Telefonspur also nur ein Ablenkungsmanöver war. "Es bedarf dazu nur der Anweisung, das die letzten Getreuen ein schon vor Wochen vorbereitetes Gespräch abspielen über das letzte Satellitentelefon, um den Amerikanern Vorfreude zu machen auf einen großen Fang - der sich ihnen, als es noch Zeit war, längst entzogen hat", argumentiert Michael Stürmer in der "Welt" für diesen Gedanken. Der "Tagesspiegel" zitiert die Pakistanische Zeitung ‚Jang', die am gestrigen Sonntag unter Berufung auf "äußerst glaubwürdige diplomatische Quellen" berichtet habe, dass bin Laden in Iran bei einer Oppositionsgruppe Unterschlupf gefunden haben soll. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie lange die US-Streitkräfte nun noch in Afghanistan bleiben werden. "Die USA streben keine Gebiete an", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. "Wir waren aus dem einzigen Grund hier, die Terrorristen aus dem Land zu jagen, und deine Regierung aufzubauen, die den Terroristen keinen Unterschlupf gewährt." Im Fall bin Laden ist ihnen genau das möglicherweise gelungen.

Arafat verlangt Ende der Attentate

Jassir Arafat, so meldete am gestrigen Sonntag eine Nachrichtenagentur, werde sich um 17.00 Uhr an die Weltöffentlichkeit wenden. "Ist das wirklich eine Nachricht?", fragt der "Tagesspiegel" auf der Meinungsseite. "Tut er das nicht schon seit 1959, als er Al Fatah gründete, spätestens aber seit 1974, als die PLO unter seiner Führung völkerrechtlich anerkannt wurde?" Keine Frage, wer seit Jahrzehnten täglich in den Medien vertreten ist, genießt in etwa Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit der Wettervorhersage. Und deshalb wundert es nicht, wenn Arafats neuester Auftritt von Journalisten wie Politikern ein wenig verhalten aufgenommen wird. Alle bewaffneten Aktivitäten müssten sofort aufhören, forderte der Präsident der Palästinenser anlässlich einer Fernsehansprache zum Ende des Fastenmonats Ramadan und kündigte zugleich an, Attentäter zur Rechenschaft zu ziehen. Besteht vielleicht doch neue Hoffung für den Krisenherd Naher Osten? Wohl eher nicht, denn alles ist schon mal so oder ähnlich da gewesen. Die Israelis reagierten deshalb gelassen auf die Ankündigungen Arafats und verlangten, dass seinen Worten Taten folgen müssten. "Aber wie kann Arafat es mit seiner islamistischen Opposition aufnehmen, wenn Israel ihm Fesseln anlegt?", fragt ein Kommentator in der "Frankfurter Rundschau". "Mit einem von den USA nicht gezügelten Scharon ist Deeskalation genauso wenig zu haben wie mit einem machtlosen Arafat." Bleibt die Frage, was der oberste Palästinenser jetzt noch bewirken kann. "Es ist die eigentlich tragische Nachricht, dass ohne ihn nichts geht, im Nahen Osten, mit ihm aber auch nicht mehr", bemerkt ein Kommentator im "Tagesspiegel". Deutliche Worte lassen sich auch in einem Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung" nachlesen. Arafat habe mit dem Feuer des Extremismus gespielt, um seine Verhandlungsposition zu verbessern und seine sinkende Popularität zu steigern. Dabei habe er sich gehörig verbrannt. "Jassir Arafat hat die Militarisierung der Intifada geduldet und teilweise gefördert", heißt es wörtlich. "Dieser Fehler könnte zu seinem politischen Untergang führen." Dann wäre es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis eine andere, ungewohnte Nachricht in den Medien auftaucht: Seit heute wendet sich Arafat nicht mehr an die Weltöffentlichkeit.

Aus den Nachrufen auf Stephan Heym

Direkt an die Weltöffentlichkeit hat sich Stefan Heym, der bei Geburt eigentlich Helmut Flieg hieß, nie gewandt. Das brauchte er, dem 1933 die Flucht nach Amerika gelang und der erst 1951 in die DDR übersiedelte, auch gar nicht. Denn woraus er seine Werke strikte, fand sich oft direkt vor der Tür. ‚Fünf Tage im Juni' ist eines seiner bekanntesten Bücher, geschrieben unter dem Eindruck des 17. Juni 1953. Dass er wegen seiner kritischen Äußerungen vorrübergehend nicht mehr publizieren durfte, konnte ihn nicht hindern, seine Meinung in Worte zu fassen. "Widersetzen war der Lebensinhalt des Schriftstellers - bis zum Schluss", überschreibt Nick Reimer sein Heym-Porträt. Kantig, trotzig, bissig sei er gewesen, brachte mit "erstaunlich spitzer Feder" Dinge zu Papier, war wortgewandt, stets unbequem und legte sich gerne mit Macht und Mächtigen an. In der DDR wie später, mit gebremstem Effet, im Bundestag, habe er kluge Reden gehalten - und wurde dafür doch eher missachtet. "Der Literat, der Kreuzritter wurde", überschreibt Jost Nolte sein Porträt über Heym in der "Welt". Möglicherweise ist Heym, den die "tageszeitung" der "große, linke Chronist" des vergangenen deutschen Jahrhunderts" nennt, zu Lebzeiten nie so gewürdigt worden wie in seinen Nachrufen. Weder in der DDR noch in der "neuen" Bundesrepublik.