Die Zahl der deutschen Chinareisenden dürfte 2001 erstmals über 300 000 steigen. Die Volksrepublik profitiert von ihrem Image als ausgesprochen sicheres Fernreiseziel, dem Wirtschaftsboom rund um Shanghai und der Anziehungskraft Pekings als Austragungsort der Olympischen Spiele 2008. Beim China-Marktführer GeBeCo buchten in diesem Jahr 21 000 Reisende, 30 Prozent mehr als 2000. Ähnlich sprunghafte Zuwächse registrierten auch Dertour und andere Veranstalter.

"In China ist Musik drin. Der Markt wird weiter wachsen", bestätigt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Während die deutsche Fluggesellschaft nach dem 11. September viele Fernstrecken mangels Nachfrage ausdünnen musste, werden die Verbindungen nach China im März kräftig aufgestockt: Von München fliegt dann ein Lufthansa-Airbus A 340 dreimal wöchentlich nach Hongkong und Shanghai - zusätzlich zu den täglichen Jumbo-Diensten von Frankfurt nach Hongkong, Shanghai und Peking. "Die Auslastung unserer Flüge nach Shanghai ist sensationell", sagt Jachnow. Als nächsten Schritt will Lufthansa die Kooperation mit Air China intensivieren und Inlandsflüge im Fernen Osten als Codesharing mit Lufthansa-Flugnummer anbieten.

Anders als noch vor zehn Jahren stehen Chinareisenden heute in allen größeren Städten moderne Hotels zur Verfügung, die westlichen Ansprüchen genügen. "China ist ein ganz normales Reiseziel geworden", sagt Studiosus-Sprecher Dietsch. Reiseveranstalter klagen inzwischen schon über Engpässe bei Hotelzimmern und sprachkundigen Fremdenführern.

Rolf-Dieter Scheerer, Fernostmanager bei GeBeCo, sieht große Wachstumspotenziale: "Es gibt noch viele Regionen in China, die recht unbekannt sind und bei Besuchern regelmäßig einen Aha-Effekt auslösen." Etwa die Provinz Yunnan im Südwesten des Landes. Ein Landstrich, der fünf Klimazonen umfasst und als einer der schönsten Chinas gilt. Und wer erschöpft von einer Rund- oder Studienreise kommt, kann einen Badeaufenthalt auf der Insel Hainan dranhängen. "Das Angebot dort ist bisher jedoch sehr auf chinesische Kundschaft ausgerichtet."

Doch nicht nur das Interesse der Deutschen an China wächst, auch das der Chinesen an Deutschland hat zugenommen. Deutschland gehört zu den begehrtesten Zielen des aufstrebenden Mittelstands im Reich der Mitte. Dieses Jahr reisten fast 600 000 Chinesen an. Statistisch kommt auf drei Japaner schon ein Chinese - Tendenz steigend. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die im In- und Ausland für das Reiseziel Deutschland wirbt, hat darum in Peking eine Filiale eröffnet.