Main Plaza heißt Frankfurts erster Wohnturm. Das funkelnagelneue Wahrzeichen am Mainufer in Sachsenhausen ist den Concierge-Residenzen in den Weltmetropolen nachempfunden. Ihm zugrunde liegt das Konzept des Boarding-Hauses. Im Vergleich zum gewöhnlichen Hotel weilt man hier länger und kocht selber. Wenn auch vielleicht bloß den Tee.

Allzu verführerisch ist das Restaurant Brick, wo Jungkoch Volker Drkosch »Fine Dining« im patentierten »Liberty Style« zelebriert. Extremkreationen wie Gänsestopfleber an Kastanienhonigeis zaubert seine Brigade in der Showküche zum Entree, nachdem der Shooter zum Champagner, bestehend aus persischer Zitrone, Meerrettichmousse und Gurkengelee, den Magen empfänglich gestimmt hat. Was folgt, geht höchstens Sensibelchen an die Nieren: Sobald »das Beste vom Reh« mit Schokoladensaucendip oder trüffelgespicktes Ochsenschwanzragout aufs avantgardistische Norwegergeschirr Figgjo gleitet, denken Einheimische schon mal an den Schlachthof zurück.

Schlemmen im nobilitierten Deutschherrnviertel, wo einst die Schlachtbank war, mag manchem pietätlos vorkommen. Tatsächlich aber setzt ein umgewidmetes Gelände frische Energien frei, in diesem Falle bevorzugt transatlantischer Provenienz. Denn auch im Rivercafé, das sich neben dem Turmbau duckt, ist die Atmosphäre amerikanisch.

So wird etwa beim »Get together« gut 90 Meter über dem Main der Blick auf die Skyline gern mit einem Glas Moët & Chandon und der Sehnsuchtsmelodie von New York, New York geweitet. Live-Musik erklingt unterdessen in der Dependance von Harry's New York Bar.

Der Transfer des Lebensgefühls vom Hudson an die Ausfallstraße nach Offenbach gelingt dank eines Berliner Architekten. Hat doch Hans Kollhoff Frankfurts glanzlosem Osten nicht nur Pathos, Edelmetall und den oktogonalen Grundriss von Schlössern und Taufkirchen verpasst, sondern auch die Formensprache aus dem Woody-Allen-Milieu. Was Stadtneurotiker und Asphaltekstatiker wünschen, wenn sie ausgehen, das finden sie rund um den Turmbau komprimiert. Läden, Lokale, Lifestyle.

Nicht neu ist die Architektur. Im Uptown-Stil der New Yorker Wolkenkratzer aus den dreißiger Jahren verlieh Kollhoff der US-Tradition des Service-Wohnens eine entsprechend tradierte Gestalt. Bundesdeutsche Ästhetik prägt dagegen das Innere des Retroturms. Holzschnitte von Martin Noel, Lithografien von Imi Knoebel und Günther Förg, Werke von Lüpertz und Baselitz bilden das Kapitel Gegenwartskunst. Natursteinböden, Wagenfeld-Lämpchen und Eileen-Gray-Tische sorgen für jene Veredelung des Interieurs, zu welcher derartige Tempel verpflichten.

Blendende Aussichten genießen nicht nur Design- und Kunstliebhaber - von den Beziehern der Tower Suites ganz zu schweigen -, sondern auch Leute, die lieber baden. Rundum-Wohlsein garantieren Pool wie Health-Club auf 450 Quadratmetern, an vorderster Front jedoch einer wie der unermüdliche Christian Kubessa - ein 24-Stunden-Concierge.