Das Thema, mit dem die meisten Tageszeitungen aufmachen, ist die geplante UN-Schutztruppe für Afghanistan. Die "Süddeutsche Zeitung" verweist darauf, dass die künftige Regierung am Hindukusch höchstens 1000 Soldaten ins Land lassen will und titelt "Westen streitet mit Kabul über UN-Schutztruppe". Aber innerhalb des Westens gibt es noch einige Probleme. So haben sich die deutsche und die britische Regierung noch nicht über die Kommando-Struktur der Truppe einigen können. "Streit zwischen Berlin und London droht Afghanistan-Resolution weiter zu verzögern", titelt die "Frankfurter Allgemeine" dazu. Obendrein ist die Finanzierung der deutschen Beteiligung noch unklar. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet, dass "Eichel und Scharping im Streit" liegen, wer für die geschätzten Kosten von 700 Millionen Mark aufkommen soll. Der "Tagesspiegel" ignoriert derlei Probleme und stürmt in seinem Aufmacher schon mal voraus: "Erste UN-Soldaten bis Samstag in Kabul".

Um die Wirtschaft kümmern sich heute mal wieder die "Welt" und das "Handelsblatt". "Der Euro wird zum Bestseller", freuen sich die Berliner, "RWE sticht Eon aus / Essener Konzern sichert sich in Tschechien wichtige europäische Ferngasleitung", berichten die Düsseldorfer. Auf fast allen Titelseiten findet sich zudem die Meldung, dass Portugals Regierungschef Guterres die Konsequenzen aus der Wahlschlappe seiner sozialistischen Partei bei den Kommunalwahlen gezogen und seinen Rücktritt angekündigt hat. Neuwahlen sollen im kommenden Frühjahr stattfinden.

Wozu brauchen wir die Nato?

Während über die US-Marines Osama bin Laden jagen und viele graumelierte Herren über Umfang, Struktur und Finanzierung der UN-Schutztruppe streiten, drängt sich ein grundsätzliches militärpolitisches Problem in die Zeitungsspalten. "Der US-Krieg in Afghanistan geht zu Ende. Verloren hat ihn nicht nur al-Quaida, sondern auch die Nato. Weder am Krieg noch an der UN-Friedenstruppe ist das Bündnis beteiligt. Das ist schon verwunderlich", schreibt Stefan Reinecke in seinem Titelkommentar für die "tageszeitung". Immerhin rief die Nato nach den Terroranschlägen von New York den Verteidigungsfall aus und stand Gewehr bei Fuß neben George W. Bush. Aber der amerikanische Präsident benötigte offenkundig nur die politische Unterstützung des Bündnisses. "Die USA brauchen die Nato nicht - schon im Kosovokrieg war es dem Pentagon lästig, Dänemark oder Belgien über die Auswahl militärischer Ziele informieren zu müssen", erläutert Reinecke. Da die Amerikaner am liebsten eigenmächtig handeln, wird sich die Funktion der Nato verändern, prognostiziert Reinecke. "Auflösen wird sich das Bündnis nicht. Es wird weiter existieren: verkleinert zu einer Art transatlantischem Kommunikationssystem, geschrumpft zu einem europäischen Regionalpakt, dessen Horizont bis Mazedonien reicht." Was positiv gesehen heißt, dass sich aus der Nato die langersehnte europäische Militärallianz entwickeln könnte.

Der "Tagesspiegel" widmet der Frage nach der Zukunft der Nato ein Hintergrundseite auf der Zwei. Auch hier ist einiges Kopfschütteln über die aktuelle Situation des Bündnisses bemerkbar. Autor Thomas Gack weist in seinem Artikel darauf hin, dass sich die Nato vor aller Welt lächerlich gemacht hat, indem sie den Verteidigungsfall ausrief und danach untätig blieb. Nun haben es die Brüsseler Militärs schwer, aus dem einmal herbeigeführten Alarmzustand wieder herauszukommen. "Laut Nato-Vertrag kann das nur der UN-Sicherheitsrat mit der Feststellung, dass nun keine ‚äußere Bedrohung' mehr bestehe", erklärt Gack. "Angesichts der permanenten Bedrohung durch den Terrorismus kann dies aber niemand guten Gewissens behaupten". In einem nebenstehenden Interview plädiert der ehemalige Planungschef im Verteidigungsministerium Ulrich Weissner dafür, aus dieser Not eine Tugend zu machen. Seiner Argumentation zufolge leitet sich die Existenzberechtigung der Nato aus dem globalen Kampf gegen Terror ab. Gegen wen die Nato kämpfen soll, wenn die US-Armee schon vor Ort ist, verrät Weisser allerdings auch nicht.

Der Eros des Euro

Im Titelkommentar des "Tagesspiegel" unternimmt Gerd Appenzeller ein Stück notwendiger Erinnerungsarbeit, indem er die klassischen Erlebnisse eines Europa-Reisenden vor 30 Jahren Revue passieren lässt. "Unangenehme Ausweiskontrollen an jeder Grenze. Schnüffelnde Zollbeamte, die den heimkehrenden Frankreich- und Italienurlaubern die Weinflaschen im Kofferraum nachzählten. Zwei Liter pro Person waren erlaubt! Und dann die Schwierigkeit, im Ausland überhaupt an Bargeld zu kommen in einer Zeit, in der es noch keine Scheckkarten gab, in der Kreditkarten völlig unbekannt waren und das europaweit nutzbare Postsparbuch als gewaltiger Fortschritt empfunden wurde - aber bitte nicht mehr als 300 DM pro Woche abheben, versteht sich!"