Aber doch etwas zu einer merkwürdigen Beziehung und Parallelaktion. Im Frühjahr 2000 war es Kurt Biedenkopf gewesen, der über den gerade in seinem Spendensumpf versinkenden Helmut Kohl sagte, der vormalige Kanzler benehme sich wie ein Altbauer, der den Hof zu übergeben nicht imstande sei. Im Herbst des gleichen Jahres vermied es Biedenkopf, dass Kohl auf dem Dresdner Festakt zum 10. Jahrestag der deutschen Einheit zu Wort kam: Der Klein-Bauer wollte den Groß-Bauern nicht auf seinen Hof lassen. Und nun benimmt sich Kurt Biedenkopf wie ein Altbauer, der den Hof zu übergeben…

Das Merkwürdige an dieser Doppel- und Parallelaktion ist nun folgendes: Seit 1973 waren es der neugewählte CDU-Vorsitzende Helmut Kohl und sein frisch entdeckter, frisch gekürter Generalsekretär Kurt Biedenkopf gewesen, die im Doppelpack aus der verhockten Honoratiorenpartei CDU, die über einen derweil schon erfolglos gewordenen Kanzlerwahlverein Adenauerscher Prägung nie recht hinausgekommen war, nun endlich eine moderne Volkspartei machten. Das ging viele Jahre lang gut, bis Biedenkopf wider den Stachel löckte.

Nun aber arbeiten die beiden wieder zusammen – bei der Untergrabung ihres gemeinsamen Lebenswerkes. Wenn sich der gegenwärtige Bundeskanzler Gerhard Schröder seiner Macht immer noch ohne direkte Bedrohung erfreuen darf, dann nicht zuletzt deshalb, weil Biedenkopf in Sachsen und Helmut Kohl im ganzen Land sich nicht um eine geordnete Nachfolge gekümmert haben. Und warum dieses: Unter anderem auch deshalb, weil sie einander nicht leiden konnten und jeder von ihnen seinen Rivalen überleben wollte. Nun gehen sie in gegenseitiger Abneigung zusammen unter. Und für Helmut Kohl gäbe es kein schöneres Weihnachtsgeschenk, als einen Rücktritt seines ursprünglichen Steigbügelhalters Kurt Biedenkopf. Ist die Politik wirklich so? Nein, die Männer sind es – diese Art von Männern ist halt so. (Für die Parallelbetrachtung der Frauen, dies sei aus Gründen der wissenschaftlichen Vorsicht gesagt, fehlt es uns an einer ausreichenden Fallzahl – und folglich an einem Urteil. Auch an einem Vorurteil, positiv oder negativ.)

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