Es ist ja nicht zu bestreiten: Weihnachten kann zu einem fürchterlichen Stress ausarten. Man muss sich ja in diesen Tagen nur durch die Stadtzentren schieben, um regelrecht Platzangst zu bekommen zwischen all den gehetzten Menschen. In Wirklichkeit fängt dieser Stress schon unmittelbar nach der Sommerpause an, spätestens aber nach dem Erntedankfest, Anfang Oktober. Wenn es nach dem Einzelhandel ginge, so möchte man meinen, könnte das Nach-Ostergeschäft übergangslos hinübergleiten ins Vorweihnachts-Geschäft - wenn dadurch nicht das Urlaubs-Geschäft und der Sommerschluss-Verkauf flach fallen müssten.

Dann aber kann es nicht darum gehen, die Zahl der weihnachtlichen Feiertage zu vermehren, sondern was wirklich nötig täte, wäre eine völlige Veränderung unseres Verhältnisses zu Weihnachten. Solange es dabei nur um die Pervertierung unserer Städte zu heidnischen Konsumtempeln geht, ist es völlig egal, an wie vielen Tagen der Tanz um das flitter-vergoldete Kalb stattfindet. In Wahrheit ist es ja unbegreiflich, wie aus dem Geschehen im lausig kalten, ärmlichen Stall von Bethlehem, in dem es am Nötigsten in jeder Hinsicht fehlte, ein atemloses Rennen um das Unnötigste werden konnte - das Laufen, Kaufen und Haben. Das mag ja ganz gut sein fürs Brutto-Sozialprodukt. Aber was kommt dabei netto unter dem Strich für unser Seelenleben heraus?

Manchmal sehne ich mich also regelrecht nach einer Entzauberung des ganzen faulen Zaubers. Und manchmal frage ich mich, ob wir nicht besser begreifen könnten, was mit Weihnachten gemeint ist - wenn wir diese Art von Weihnachts-Treiben einmal ganz ausfallen lassen würden.

Kommentare und Anregungen sind herzlich willkommen: leicht@zeit.de

Die Beiträge der vergangenen Wochen können im Archiv nachgelesen werden.