Im umgestalteten Düsseldorfer Kunstmuseum, das jetzt auch auf einen flotteren Namen hört, ist alles ganz anders. Keine Chronologie mehr, keine Epochen, keine Stile, keine Qualitätskriterien: Ungeachtet ihrer ursprünglichen Funktion oder ihres Ranges sind die Kunstwerke durchs Haus gewirbelt, aus den Depots geholt und radikal neu arrangiert worden.

Zwei Künstler, Bogomir Ecker und Thomas Huber, sind für die neue Ordnung verantwortlich. Unter assoziativen oder thematischen Gesichtspunkten haben sie Kunstwerke und Objekte zueinander gebracht: in einem Raum Behältnisse und Archivalisches zusammengestellt, in einem anderen Akademisches und Antiakademisches, hier Nachtbilder, dort Mütter mit Kind, immer quer durch die Jahrhunderte und, wo die Bestände es hergaben, auch durch die Kulturen.

Dass Künstler ein Museum oder Teile des Museums auf den Kopf stellen, ist an sich nicht neu. In den 1920er Jahren schuf El Lissitzky eine eigenwillig gestaltete, verwandelbare Zelle zur Präsentation abstrakter Kunst, und für dasselbe Haus, das damalige Provinzialmuseum Hannover, entwarf Laszlo Moholy-Nagy einen raffinierten Medienraum als Gesamtkunstwerk. 1991 gab Peter Greenaway den Sammlungen des Rotterdamer Boijmans-van Beuningen eine andere Ordnung

jüngst arrangierte Robert Wilson die Bestände des Kopenhagener Kunstindustrimuseet vorübergehend neu. Das Museum für angewandte Kunst in Wien definiert sich geradezu durch Sammlungsinstallationen, die Künstler wie Donald Judd und Jenny Holzer, Günther Förg und Heimo Zobernig entworfen haben. Nichts Besonderes also?

Die historischen Kunstwerke befinden sich im Museum, weil sie ihrer ursprünglichen Heimat verlustig gegangen sind, der Kirche, des Schlosses, der Kaufmannsvilla. Auch haben sie in aller Regel den alten Zweck verloren. In ihrer neuen Umgebung, dem Museum, mussten sie einen wiederum eigenen, möglichst unverwechselbaren Ort finden. Dessen Begründung war die Chronologie, die historische Abfolge nach Ländern oder Stilen oder Bewegungen. Auf diese Weise entwarfen die Museen - jedes für sich und alle zusammen - ein (sich ständig wandelndes) Bild von der Geschichte der Kunst an den alten Objekten selbst.

Künstler- oder Kunstmuseum?

Daraus beziehen die Museen ihre Autorität. Sie sind die Instanz, in der unabhängig von wirtschaftlichen Interessen das Echte vom Falschen, das Bessere vom Minderen unterschieden wird: der Ort der anschaulichen (also überprüfbaren) Authentizität und Qualität. Wer wissen will, ob sein ererbter Vermeer oder sein erworbener Renoir echt und gut ist, geht zum Vergleichen ins Museum. Wohin sonst?