Jerusalem

Wenn Jassir Arafat früher ein Problem hatte, bestieg er ein Flugzeug. Er reiste nach China, Südafrika oder irgendwohin nach Europa. Seit der jüngsten palästinensischen Terrorwelle sitzt er in Ramallah fest: Die Stadt ist von der israelischen Armee eingekesselt, die Helikopter des Palästinenserführers wurden von den Luftstreitkräften zerstört. Arafat hütet sich, Israel um eine Ausreisegenehmigung zu bitten - aus Angst, man könnte sie ihm verweigern. Es ist nicht das erste Mal, dass der PLO-Chef mit dem Rücken zur Wand steht.

Aber die Anzeichen mehren sich, dass der 72-jährige Überlebenskünster diesmal tatsächlich am Ende seiner Laufbahn angekommen sein könnte.

Wer kommt nach ihm? ist eine Frage, die sich bereits am Tag seiner triumphalen Rückkehr in den Gaza-Streifen vor mehr als sieben Jahren stellte.

Jassir Arafat aber erwies sich - trotz zittriger Lippen und einer wachsenden Gegnerschaft in den eigenen Reihen - als zäher Bursche. Während die Weltpresse regelmäßig über die Fortschritte seiner Parkinsonkrankheit spekulierte, sah er in dieser Zeit vier israelische Ministerpräsidenten vorbeiziehen. Dennoch wird bei den Palästinensern in nicht allzu ferner Zukunft ein Machtwechsel anstehen - ausgelöst durch Gewalt, Politik oder Biologie.

Längst gilt Arafat für eine Mehrheit der Israelis nicht mehr als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems. Auf keinen Fall aber dürfte die israelische Regierung, die Arafats Palästinenserbehörde mittlerweile als ein "Terror unterstützendes Regime" kategorisiert hat, an einer Neuordnung der palästinensischen Machtverhältnisse beteiligt sein. Das würde jeden Nachfolger von vornherein diskreditieren. Offiziell hat Arafat keinen Nachfolger. Der ewige PLO-Chef und gewählte Vorsitzende der Autonomiebehörde hat nie jemanden neben sich geduldet. Eine Gesetzesvorlage, die der palästinensische Legislativrat vor sechs Jahren verabschiedet hat, würde zwar Abu Alla, den Parlamentssprecher, vierzig Tage nach Arafats Tod an dessen Stelle setzen. Doch Arafat hat dieses Gesetz nie ratifiziert. Abu Mazen, der stellvertretende PLO-Vorsitzende, galt zumindest eine Weile lang als ein Nachfolgekandidat. Bei den Palästinensern aber steht er heute im Ruf, "korrupt und schwach" zu sein.

Solange Arafat, das Symbol der palästinensischen Revolution, an der Macht bleibt, wird es niemand wagen, offen seinen Hut in den Ring zu werfen.