Mit Zahnärzten kann sie etwas anfangen. Die sind aufgeschlossen und innovationsfreudig, schwafeln nicht rum, sondern kommen auf den Punkt. Mit Zahnärzten kann sie sich zum Beispiel gut über nanostrukturierte Titanimplantate unterhalten. "Das macht Spaß", sagt Christiane Ziegler, da kommen "Ideen rüber", da weiß man, wozu Forschung gut ist.

Die 37-jährige Professorin für Technische Physik an der Universität Kaiserslautern leitet das Kompetenzzentrum für Nanochemie, eine jener Einrichtungen, die für den deutschen Anschluss an die High-Tech-Zukunft sorgen sollen. Christiane Ziegler bringt Nanotechnik von den Forschern zu den Anwendern. Und umgekehrt. Deshalb ist sie an vielen Orten zugleich, erklärt Zahnärzten, Pharmazeuten und Automobilherstellern, warum sie von derselben Technik profitieren können.

Auf dem Tisch in ihrem Büro steht eine riesige Schüssel voller Bonbons. Da kommen die Leute gern, meint sie. Zwischen der Fachliteratur im Buchregal steht ein alter Band aus der Kindersachbuchreihe Was ist Was. Irgendwo liegen ein paar Reagenzgläser mit pechschwarzen Substanzen herum. Sie trägt Stirnfransen und ein schlabbriges T-Shirt, darauf die Cartoon-Zeichnung einer Frau mit weit ausgebreiteten Armen. "Extravertierter Typus", kommentiert sie.

Munter redet sie drauflos, schnell und schnörkellos, über "das Nano-Bio-Zeug", über molekulare Maschinchen und Geisteswissenschaftler, die ihr auf die Nerven gehen. Hinter der Brille blitzen fröhliche Augen. Manchmal verraten sie Verwunderung, auch Ungeduld, muss sie die Sache wirklich noch mal erklären? Was sie dennoch gern tut, weil sie Spaß daran hat. Dann verziehen sich ihre Mundwinkel zu einem kaum merklichen Grinsen, das nichts Spöttisches hat. Eben eine selbstbewusste Frau, die es gewohnt ist, ein bisschen schneller zu begreifen als andere.

Salpetersäure über den Frisierkopf

Gescheit ist sie. Das lässt sie durchblicken, kann es ohnehin nicht verbergen. Gut war sie schon in der Schule, 1,0 beim Abitur, summa cum laude bis zur Promotion. In der Familie "lauter Lehrer". Der Vater unterrichtete an der Berufsschule "Friseusen in den Grundfächern", die Mutter in der Grundschule. Einen Chemiekasten wünschte sich die Tochter. Quatsch, sagte der Vater, die Instrumente taugten doch nichts. Nach dem Unterricht durfte Christiane mit Papa in der Schule richtige Experimente machen. Gucken, was passiert, wenn über einen alten Frisierkopf konzentrierte Salpetersäure ausgegossen wird. Sprengstoff habe sie nie hergestellt, sagt sie beiläufig.

Man fragt sich, ob sie nicht gern mal einen Kürbis mit Unkrautsalz in die Luft gejagt hätte. Einfach schauen, ob's geht.