Ein indisches Feuerwerk der Farben hat der Fotograf Hans Silvester entzündet. Schwer wie ein Ziegel wiegt sein Band Die Frauen der Wüste Thar (Text: Catherine Clément, aus dem Französischen von Susanne Staatsmann

C. J.

Bucher Verlag, München 2001

230 S., 88,01 DM), für den er nach Rajasthan auszog, um die Ausläufer des Paradieses zu finden. Ich habe das Glück gesehen, sagte der Heimkehrer. Und seine leuchtenden Aufnahmen spiegeln den Willen zur Idylle. Eingehüllt in knallbunte Saris, stolzieren Frauen wie Nymphen Richtung Sonne. Ihre grazilen Körper zeichnen sich gegen das Licht ab. Mit Nasenringen und Ohrgehängen posieren lachende Mädchen in vollem Ornat. Weiß strahlen die Gebisse, unbesorgt wird getanzt und gelacht. Eine Augenweide für Harmoniebedürftige, ein Prachtexemplar für Freunde des Exotischen, auch wenn nur die halbe Wahrheit abgebildet ist. Über die andere Hälfte spricht immerhin Catherine Clément, französische Bestsellerautorin und als Diplomatenfrau in Indien herumgekommen. Sie hat den einleitenden Text zu dem Band geschrieben und genug Problembewusstsein einfließen lassen, um die schöne heile Welt des Hans Silvester ins gedämpfte Licht zu rücken. Vom zahnlosen Lächeln der Inder erzählt Clément, von der Unterdrückung der Frauen und der kriegerischen Geschichte Rajasthans. Dass der Schein trügt, hat der Leser wieder mal gelernt. Und staunt immer noch weiter. Denn das Buch, das die Frauen im Titel führt, widmet auch den Männern jede Menge Fotos: schönen Patriarchen und stolzen Hirten - ganz im Sinne des Glückssuchers Hans Silvester.