Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.

Matthäus 10, 28 Kati Jelinek versteht ihn nicht, diesen ganzen Rummel, der nun in Deutschland um sie und ihre Haft gemacht wird. Die Presse, die Fotografen, sie versucht es gelassen zu ertragen. Auch über das Interview, das eine Boulevardzeitung mit ihr brachte und das sie nie gegeben hat, schüttelt sie den Kopf, böse ist sie nicht. Andere Dinge sind wichtiger, sagt sie.

Kati Jelinek ist 29, und sie spricht schnell und sehr bestimmt. Sie muss nicht lange überlegen, sie weiß genau, was falsch und was richtig ist. Ihr Glaube etwa, sagt sie, sei der wahre Glaube. Sie ist eine, die lieber für ihren Glauben gestorben wäre, als Gott zu verleugnen.

Und in ihrem Gesicht sind kaum Spuren von Angst und Verzweiflung zu sehen, wie sie da im nüchternen Saal des Christlichen Zentrums in Braunschweig sitzt und von den 102 Tagen ihrer Gefangenschaft bei den Taliban erzählt und wie diese Gefangenschaft vor einem Monat zu Ende ging.

Es war ein Fehler gewesen, an jenem 5. August in Kabul noch einmal ins Büro zu gehen.

Sie und die anderen Angehörigen von Shelter Now, einer christlichen Organisation, die humanitäre Hilfe leistet, waren dabei, ihre Sachen zu packen. Zwei Tage vorher waren zwei amerikanische Mitarbeiterinnen festgenommen worden, niemand wusste Näheres. Georg Taubmann, der Projektleiter von Shelter Now in Afghanistan, und die fünf Frauen aus Deutschland und Australien, die noch auf freiem Fuß waren, hatten beschlossen, das Land zu verlassen.

Als Kati Jelinek das Gebäude von Shelter Now betrat, warteten schon die Taliban, es waren etwa 20 Mann mit Kalaschnikows, und brachten sie in das Haus, das in Kabul als Frauengefängnis diente.